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Sophia, der Tod und ich oder Thees Uhlmann als Romancier

Thees Uhlmann - Sophia, der Tod und ich

Können Musiker Bücher schreiben? Musiker könnte an dieser Stelle auch durch ein beliebiges anderes Wort wie Schauspieler, Politiker, Model, Nachrichtensprecher, … ausgetauscht werden. Es ist eigentlich fast schade, dass in dieser Frage immer auch etwas Häme mitschwingt. Mal sehen, wie das Buch so ist, aber wahrscheinlich wird es sowieso nichts. Eigentlich habe ich deswegen auch schon keine Lust Bücher von – ich wähle jetzt mal einen Sammelbegriff – Prominenten diverser Grade zu lesen. Jetzt die Frage: Warum hab ich es bei Thees Uhlmann doch getan?

Ich mag die Musik von Thees Uhlmann sehr. Eigentlich die gesamte Musikrichtung: apodiktische Gesellschaftskritik mit Geist und Gefühl. CDs vom Musiklabel Grand Hotel van Cleef (GHvC) laufen in meinem Autoradio in Endlosschleife. Da ist es nur verständlich, dass mich dann auch das Buch „Sophia, der Tod und ich“ von Thees Uhlmann interessiert. Es ist das zweite Buch von ihm, aber der erste Roman.

Thees Uhlmann 1

Der Sensenmann kommt zu Besuch: Sophia, der Tod und ich

Es beginnt ziemlich ruhig. Jemand hat an der Tür geklingelt. Der Erzähler entschließt sich, die Tür zu öffnen und da steht der Tod. Eigentlich müsste der Tod den Erzähler nach 3 Minuten Zeit dann mitnehmen und auf die andere Seite geleiten. Aber aus irgendeinem Grund läutet erneut die Türklingel: Sophia, die Ex-Freundin und polnisches Wunderkind, ist da. Und damit beginnt ein sehr schräger Roadtrip.

Thees Uhlmann hat seine Figuren fantastisch gezeichnet, sie sind spannend und alle sehr liebenswert – sogar der Tod! Der Ich-Erzähler ist ein zynischer, fußballbegeisterter Altenpfleger. Durchschnittsmensch, der immer den Median trifft. Ich hatte während des Lesens sehr viel Mitleid mit ihm irgendwie. Er darf sein Kind nicht sehen, weil er im Gerichtsprozess verloren hat. Dafür schreibt er seinem Sohn täglich eine Postkarte mit einer Zeichnung – er ist der Postkartenmann. Und dann hat er einmal im Leben eine Freundin und selbst dieses Glück ist nicht von Dauer. Diese Ex-Freundin ist Sophia, eine krasse Polin mit vielen Schimpfwörtern im Repertoire. Durch Sophia kommt in die Geschichte Schwung und Dynamik. Das dritte Mitglied der Reisegruppe „Weltuntergang“ ist der Tod. Man muss keine Angst vor ihm haben, er ist naiv, wahnsinnig höflich und etwas altmodisch. Die Figuren sind sehr geschickt gezeichnet und für den geglückten Lesengenuss unabdingbar. Ich übertreibe nicht mit der Behauptung, dass die Figuren das Genialste an „Sophia, der Tod und ich“ sind.

Ein Altersheim ist bei Weitem kein homogener Ort, an dem nur alte Menschen leben. Es ist die Resterampe des Lebens. Die Mannigfaltigkeit einer Gesellschaft abgebildet in ihrer Krankheits- und Behinderungssituation. Wer früher Selberständiger, Versicherungsfachangestellter, Arschprolet oder Industriekapitän war, ist jetzt der mit Demenz, der ohne Beine, der Neben-sich-Stehende, der Fluchende oder der In-sich-Zurückgezogene, der seinen Kontakt mit der Außenwelt nur über das Früher herstellt. – S. 63

Der Humor bekommt im Roman eine tragende Rolle zugeschrieben. Manche Stellen sind unglaublich flach und ich muss mich dann ernsthaft fragen, ob das Thees Uhlmann geschrieben hat. Aber dann sind im Buch hin und wieder auch ein paar Handgranaten im Buch versteckt. Es zerfetzt die Lachmuskeln.

Thees Uhlmann 2

Wir werden alle sterben.

Die Wahrheit des Tages: Das Leben bekommt im Angesicht des Todes erst seine Bedeutung. Alle Menschen müssen sterben. Und was genau hat Thees Uhlmann dem Leser außer diesen Kalendersprüchen noch Wichtiges mitzuteilen? Ich weiß es nicht, ich habe keine anderen Nachrichten zwischen den Zeilen gefunden und ich suche immer noch danach. Ich hatte schon etwas mehr erwartet. Insbesondere, da der Autor auch ziemlich deutlich im Ausdruck seiner Aussage ist. Es schreit von allen Buchseiten, dass das Leben endlich ist.

Thees Uhlmanns Aussage ist nicht wirklich neu, sie verliert deswegen nicht an Bedeutung, aber wirklich genial ist das auch nicht. Ich hätte mir ein subtileres Vorgehen gewünscht, aber vielleicht merkt es so wenigtens auch der letzte Trottel und kann sich so endlich mal die Frage stellen: Was würde man tun, wenn man wüsste, dass man demnächst stirbt?

Ich mochte keines von diesen Produkten wirklich. Doch mir gefiel es, dass mir jedes Einzelne zeigte, was für ein verlorener Idiot ich war. – S. 67

Eines nehme ich Thees Uhlmann allerdings übel, er baut in das Buch fantastische Elemente ein, die da gar nicht hingehören und für das Buch auch nicht wichtig sind. Die Unbeholfenheit bei der Beschreibung dieser fantastischen Szenen stört. Das ist nicht cool, das ist albern und überaus holprig. Es nervt mich, wenn der Tod einen Stock braucht, der in blauen Flammen steht. Warum gab es keinen Lektor, der das unterbunden hat?

Fazit

Thees Uhlmann hat mit „Sophia, der Tod und ich“ einen Unterhaltungsroman über den Tod und den Wert des Lebens geschrieben, der ein paar Mängel aufweist, insgesamt aber solider Männerkitsch ist.

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