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Mythos Charles Bukowski

Charles Bukowski

Texte über Alkohol, Sex und die Brutalität des Lebens – dafür steht Charles Bukowski. Eigentlich wird der Name immer mehr zur Legende: Fast jeder kennt ihn, hat ihn irgendwann schon einmal gehört, dann wieder vergessen und keiner weiß so wirklich, worüber Bukowski überhaupt geschrieben hat. Oder kennst du eines seiner Essays oder eine Kurzgeschichte von ihm? Ich habe „Das weingetränkte Notizbuch“ gelesen, manchmal sehr langsam und dann auch wieder in rasendem Tempo; ich habe vor- und zurückgeblättert, mir Gedanken gemacht. Was ist so besonders an diesem alten Mann?

Charles Bukowski – Ein Leben

1920 kam Charles Bukowski in Andernach auf die Welt als Sohn einer Deutschen und eines amerikanischen Besatzungssoldaten. Als Bukowski 3 Jahre alt war, zog die Familie nach Los Angeles. Armut spielte eine große Rolle, die Familie kam nie auf einen grünen Zweig. Und inbesondere Brutalität prägte Charles Bukowskis Jugend – sein Vater verprügelte ihn häufig, war nie wirklich verständnisvoll zu ihm. Außerdem trank Bukowskis Vater und betrog in schöner Regelmäßigkeit die Mutter mit anderen Frauen.

Auch nach der Jugend war Bukowskis Leben nicht sonderlich erfolgreich oder geregelt. Er versuchte sich am College in Journalistik, ließ das aber auch sein und brach sein Studium ab. Schon damals wollte er Schriftsteller werden, was bleibt dem hässlichsten Jungen der Welt auch anderes übrig? Über Wasser hielt Charles sich mit Gelegenheitsjobs, am längsten in seinem Leben arbeitete er bei der Post.

Wenn ich eins nicht ausstehen kann, dann ist es das Glück eines Idioten, ein grundloses Glück. – S. 212 „Das weingetränkte Notizbuch“

Bevor er mit etwa 51 Jahren Berufsschriftsteller wurde, hat das Leben ihn schon sehr in die Mangel genommen. Er saß im Knast ein, weil er vergessen hatte, sich beim Einwohnermeldeamt nach einem Umzug zu melden. Diese Lapalie war recht ungünstig, gerade war Zweiter Weltkrieg und man legte es ihm als Kriegsdienstverweigerung aus. Bukowski war schon einmal verheiratet und wieder geschieden, hatte eine Tochter, aber nicht mit seiner Exfrau. Generell hatte er davor schon unzählige Affären mit Frauen gehabt. Das Einzige, wovon er noch mehr im Leben hatte, ist wohl der Alkohol. Bukowski begann schon im jungen Erwachsenenalter mit der Sauferei. Alkohol und Schreiben gehörten für ihn zusammen. Ab 1970 kam Charles Bukowski dann zu einigem Ruhm, seine Romane und Arbeiten wurden veröffentlicht. Er hatte ab 1978 eine Frau gefunden, mit der er es einigermaßen aushalten konnte. 1994 starb Bukowski an Leukämie. Eigentlich wollte er bis mindestens 2000 leben und dann in Ruhe sterben. Aber „der größte Verlierer der Welt“ bekam eben nie das, was er wollte.

„Fast jeder kommt als Genie auf die Welt und wird als Idiot begraben.“

Bukowski war ein faszinierender Autor und Mensch. Auch als er in seinen späteren Jahren eigentlich schon ruhiger geworden war, ließ er keine Gelegenheit aus, um sein Image als alkoholsüchtiger Schriftsteller zu bestätigen. Mit Alkohol und Nutten ist er berühmt geworden, mit Alkohol und Nutten würde er untergehen. Mit seinen Geschichten versuchte er das Erlebte zu verarbeiten und das war anscheinend sehr viel, wenn man sich die Masse an literarischen Texten ansieht, die Buwkoski hinterlassen hat.

Es war wichtig für Bukowski, dass er lebendig war. Niemals wollte er so sein wie die ganzen Toten um ihn herum. Er wollte nicht tagtäglich einem langweiligen Job in einer beliebigen Fabrik nachgehen und dort dem Fließband zusehen. Das hätte er nicht ertragen und er war immer stolz darauf, dass er dieser Maschinerie entgehen konnte. Bukowski wuchs in Armut auf und schrieb darüber. Das verlieh ihm Einzigartigkeit. Niemand schrieb so brutal direkt wie er. Mit seinem Nihilismus konnte er seine Leser fertigmachen. Alles ist sinnlos, es gibt keinen Sinn im Leben, keinen Sinn in der Arbeit und es macht auch keinen Sinn, die vielen Idioten zu ertragen.

Er hat sich gegen Ärger und fürs Sterben entschieden. Ich habe mich für Ärger und fürs Leben entschieden. – S. 87 „Das weingetränkte Notizbuch“

Don´t try. Das war seine Philosophie. Das steht jetzt sogar auf seinem Grab. Was soll das heißen?

Somebody asked me: „What do you do? How do you write, create?“ You don’t, I told them. You don’t try. That’s very important: not to try, either for Cadillacs, creation or immortality. You wait, and if nothing happens, you wait some more. It’s like a bug high on the wall. You wait for it to come to you. When it gets close enough you reach out, slap out and kill it. Or if you like its looks, you make a pet out of it.
– Charles Bukowski

Don´t try. Merkt es euch nicht nur für das Schreiben.

Kommentierfrage: Kennt ihr Charles Bukowski? Habt ihr etwas von ihm gelesen?

5 Kommentare

  1. Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger habe ich fast alles gelesen, was damals so greifbar war. Das war schon einiges (u.a. die schönen weißen dtv -tb mit den Ill. von Celestino Patti). Verschlungen wäre der richtige Ausdruck hierfür.
    Heute sagen mir die Texte nicht mehr viel. Die Bücher wurden verschenkt.
    Aber seine Gedicht sind teilweise immer noch famos.
    LG Erich

  2. Toller Beitrag, gut eingefangen 😉 Ich finde Bukowski immer wieder faszinierend, wie er zwischen völliger Schmucklosigkeit und dem endültigen Abgrund einfach gute Literatur macht.

  3. PS: Ich habe seine Gedichte, „Fuck Machine“ und „Hot Water Music“ gelesen. In einer Erzählung sagt eine Frau zum Protagonisten der selbst Schriftsteller ist „Sie schreiben wirklich starke Sachen. Vieles ist zwar Scheiße, aber Sie schaffen es, die Gefühle des Lesers zu packen“. Das passt auch irgendwie auf Bukowski. Manche Erzählungen sind hart, kalt und fast abstoßend. Aber irgendwie nimmt es einen mit. <3

  4. Ich finde es faszinierend wie viele Bücher Charles Bukowski produziert hat, obwohl er doch mit seinem Leben, eigentlich genug zu tun hatte 😀 Außerdem ist es ziemlich beeindruckend, wie er doch seinen Weg gegangen ist, obwohl er sein Studium abgebrochen hat, Alkoholsüchtig war und erst im mittlerern Alter wirklich zu Schreiben begonnen hat.Das ist irgendwie motivierend, zu sehen, wie jemand mit so vielen Problemen, trotzdem es schafft sich als Schriftsteller zu verwirklichen. Wobei ich bei Bukowski bezweifle, dass er das auch so wahrgenommen hat.
    Ich finde, dass gerade die Menschen, die außergewöhnlich leben, auch ganz außergewöhnliche Schriftsteller sind.

    Ich habe die letzten Jahre nie Zeit gehabt zum Schreiben, weil mich dass Leben auch sehr extrem beschäftigt hat. Jetzt wo wieder eine ruhigerer Phase anbricht, habe ich mich daran erinnert, wie ich das Schreiben als Jugendliche geliebt habe.
    You don’t try.
    Danke für den Text, diese drei Worte von Bukowski haben mich wirklich berührt.
    Liebe Grüße, Anja

  5. You don´t try. Es gibt kein Üben im Leben. Das Leben fängt auch nicht erst nächstes Jahr an, denn da könnte es vielleicht schon vorbei sein. Das ist zugleich sehr einfach, dann aber auch wieder unheimlich schwer. Der Mensch plant gern die Zukunft und ich bin da wohl ein extremes Beispiel – diese Disziplin habe ich perfektioniert. Aber was bringts? 😉

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