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Früher Hogwarts, heute Auerhaus

Auerhaus Bov Bjerg

Bis vorgestern wollte ich gern mal nach Hogwarts, nur bin ich mir da nicht mehr so sicher. Eigentlich möchte ich jetzt lieber ins Auerhaus einziehen. Das Auerhaus ist eine WG voll mit verrückten Schülern, alle wahnsinnig unterschiedlich und alle irgendwie auch wahnsinnig. Das Buch „Auerhaus“ wurde von Bov Bjerg verfasst und erschien kürzlich im Blumenbar Verlag. Dieses Auerhaus steht also mitten auf dem Dorf, die Party geht die ganze Zeit ab. Die WG wurde gegründet, um Frieder zu helfen. Frieder soll nicht mehr bei sich daheim wohnen, seitdem er nicht mehr weiß, ob er überhaupt ein Leben haben soll und deshalb Suizid begannen hat.

Ich wusste, was Depressionen waren. […] Das war, wenn einer bloß noch dasaß. Oder lag. Und nichts mehr tun konnte. Normalerweise führte ein Gedanke zum nächsten. Aber wenn man Depressionen hatte, führte kein Gedanke irgendwohin. Er hörte einfach auf. – S. 61

Und so treffen sich die Jugendlichen jeden Tag in der Küche zum Kochen und Quatschen. Es wird kolossal viel geredet in dieser WG – morgens – mittags – abends – nachts. Die Dialoge, die sich der Autor Bov Bjerg ausgedacht strotzen vor Humor und Leichtigkeit. Meine Nachbarn mussten sich in den letzten Tagen noch etwas mehr über mich wundern, als sie es wohl ohnehin schon tun. Ich saß im Garten und habe sehr häufig laut aufgelacht. Danke an den Autor an dieser Stelle. Bov Bjerg  wurde 1965 in Württemberg geboren. Er studierte in Berlin, Amsterdam und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seit 1984 lebt Bjerg in Berlin.

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Eigentlich hätte man gemusst …

Das Buch handelt von der schönsten Zeit im Leben sechs Jugendlicher. Eine unglaubliche Leichtigkeit dringt durch die Zeilen. Beim Lesen fühlt man sich jung und irgendwie auch lebendiger als sonst. Bei so viel Jugendlichen ist es einfach an die eigene Schulzeit zu denken und auch an die verpassten Chancen. Eigentlich hätte man so viel mehr Blödsinn machen müssen. Das eigene Leben war noch viel zu brav. Das Auerhaus richtet die Bitte an den Leser, die eigene Jugend auszuleben, auch wenn man schon seit 30 Jahren keine 18 mehr ist. Aber es geht hier nicht nur um endlosen Spaß: Frieder hat mit seiner Lebensmüdigkeit ein ernstes Problem und darüber sind sich die WG-Insassen sehr bewusst. Sie sind sich auch darüber bewusst, dass es das Auerhaus nicht für immer geben wird. Der lange fröhliche Sommer ist endlich, das Abitur steht kurz bevor, danach folgt die Zukunft. Das richtige Leben.

Was man theoretisch richtig findet, das kann ziemlich weit weg sein von dem, was man praktisch aushalten kann. – S. 130

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Auerhaus  – das neue Hogwarts

Bov Bjerg hat sich eine Mischung aus Ronja Räubertochter, Harry Potter und Tschick ausgedacht. Was meine ich damit? Das Auerhaus strahlt die Freiheit von Ronja aus, erinnert an die Gemeinschaft und Geselligkeit in Hogwarts im Gryffindor-Gemeinschaftsraum und ist mindestens genauso verrückt wie Tschick. Ich möchte jetzt keine Potter-Fans verärgern, es löst Harry natürlich nicht ab. Das Auerhaus kann sich in der Reihe dieser Bücher aber ganz gut sehen lassen, in meinen Augen. Es ist ein Jugendbuch und dann wieder auch nicht. In jedem Fall ist es großartige Unterhaltung für Regentage oder auch für Sonnentage, eigentlich immer. Beim Lesen habe ich mir gewünscht, dass diese Figuren real und sie auch mit mir befreundet wären. Dann könnte im Leben wohl nichts mehr schiefgehen. 200 Seiten voll Party – Party im Sinne von das Leben feiern. Gegen Angst und Einsamkeit.

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Fazit

Lesen! Zumindest ein wunderschöner Tag ist dann gesichert.

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Astrolibrium
Die Buchbloggerin

Kommentierfrage: Wann zieht ihr ins Auerhaus ein?

2 Kommentare

  1. Hey Janine,

    das klingt ja wirklich großartig! Du hast mich direkt anstecken können und das Buch wandert zumindest direkt auf die Wunschliste 😀

    Schöne Rezension, die mitreißt!!

    Liebste Grüße,
    Diana

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