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Bin am Meer. Eine Erzählung für Männer [Gastrezension von K.]

Bin am Meer. Udo Schroeter

Sorgt euch also nicht um den morgigen Tag,
denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen.
Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Last.
Evangelium nach Matthäus 6, 34

 

„Bin am Meer. – Eine Erzählung für Männer“ von Udo Schroeter

Als ich dieses Buch das erste Mal bei uns im Buchladen sah, dachte ich: „Wieder ein Männerbuch! Dieses Mal sogar mit Fotos wie aus dem „Into the wild“-Film.“ Ein Eindruck, der sich aber nicht halten konnte.

„Bin am Meer.“ ist anders als andere Männerbücher. Es ist kein Sachbuch à la „Wie werde ich in fünf Schritten ein echter Mann“, dass dann mit Anekdoten vom letzten Gebirgsurlaub aufgepeppt ist. Auch kein „Coming-of-Age“-Roman, in dem es nur um Pickel, Frauen und Fußball geht. Alles Bücher, die in den letzten Jahren den Buchmarkt überschwemmten. „Bin am Meer.“ ist anders.

Bin am Meer.

Worum geht es?

Daniel ist ein mehr oder minder erfolgreicher Unternehmer, der sich einen langersehnten Traum erfüllt: Meerforellen fischen. Um dieses Ziel zu erreichen hat er sich den „Reiseführer“ Leif gebucht. Doch schon bei der Ankunft zeigt sich, dass dieser kein normaler „Guide“ ist. Daniel erwartete, dass sie gleich an den Strand gehen würden, doch es kommt anders. Leif befiehlt ihm, anzukommen, sich in dem Ferienhaus einzurichten, nichts zu überstürzen. Entschleunigung statt Erfolgsdruck. Außerdem handeln sie eine Absprache aus: Daniel darf bis zum Ende der gebuchten Woche nicht sein Handy benutzen. Eine Reise auf den Spuren alten Wissens beginnt.

Das Buch ist aus Daniels Sicht geschrieben. Aufgelockert wird der Text durch schwarz-weiße Bilder am Kapitelende. Außerdem gibt es in der Mitte noch Farbfotographien des Autors, die sich mit dem Thema Fischfang und Meer beschäftigen.
Das Buch ist flüssig geschrieben und meistens auch sehr bildreich. Leif spricht in seinen Geschichten große Themen an. Daniel erfährt aus den Gesprächen mehr über sich und sein Leben.

„Stell dir vor, dein Leben ist ein Strandlauf, und alles, was du so brauchst, musst du in einem Rucksack mitnehmen. Je mehr du mitschleppst, desto tiefer sinkst du in den Sand ein und desto langsamer und mühevoller kommst du voran.“ S. 201

Muss alles wirklich immer höher, schneller, weiter sein? Was hat das Leben mit einer Angelbox voller Köder zu tun? Warum ist es wichtig sich Übergänge zu schaffen? Fällt es einem Menschen leichter sich für ein paniertes längliches Fischstück oder für einen lebendigen Fisch einzusetzen? Nehme ich nicht durch Massentierhaltungsfleisch auch die Angst der Tiere in mir auf? Ist es wirklich befriedigend immer mehr zu besitzen, auch wenn dabei meine Familie zu kurz kommt? Muss ich während mein Kind spielt noch fünf „wichtige“ Telefonate führen? Verfolgt mich meine Arbeit bis in den Urlaub? Muss ich immer gleich vier Schritte 25%ig machen oder reicht einer, aber 100%ig?

Leif erzählt Daniel von vier Agreements, die jeder Mensch in seinem Leben hat. Vier Ziele, für die er sich einsetzt: Arbeit, Stamm, Innenblick, Bewahrung der Schöpfung. Daniel erkennt, dass in seinem Leben die Arbeit alle anderen Agreements überlagerte und er sich dadurch ausgebrannt und leer fühlte. Leif zeigt ihm nun, wie er auch die anderen Elemente einbauen kann. Daraus ergibt sich ein „Rad des Lebens“. Zu den Agreements führen „Denksteine“, die Schritte aufzeigen, wie man und mit welcher Hilfe man das Ziel umsetzen kann. Was am Anfang etwas seltsam klingt, ist einfach nur eine archaische Checkliste für das Leben. Später kommt noch ein „Rad der Jagd“ hinzu, dass alles noch mal vertieft.

Der Autor weiß wovon er schreibt. Er arbeitet als Coach, Berater, Fotograf und Autor und lässt sich dabei vom Meer inspirieren („Das Meer ist ein heilsamer Ort.“).

Wer gern aus Geschichten lernt, kommt hier auf seine Kosten. Der Bogen ist weit gespannt: Von Ökologie, über Jagen, Mannsein und den Sinn des Lebens ist viel dabei. Aber ich hatte nur selten das Gefühl, dass der Autor zu kurz greift.

Man kommt ins Grübeln über sich und sein Leben. „Bin am Meer.“ muss man wohl zweimal lesen, damit man die Fülle an Gedanken begreifen kann. Schade ist das nicht, denn so erhält man neue Impulse für sein Leben. Es ist nicht nur ein Buch für den nächsten Angelurlaub, sondern lädt auch am heimischen Herd dazu ein, über uns, die Umwelt und Gott nachzudenken.

 „Ich habe mit meiner Familie schon vor vielen Jahren damit begonnen, mehr und mehr Nahrungsmittel zu essen, die eine Geschichte haben. Wir fangen unsere Fische selbst, haben einen Gemüsegarten angelegt, Obstbäume gepflanzt und im Herbst gehen wir zum Pilzesammeln in den Wald. Jedes Stück Nahrung, das auf unserem Teller liegt und eine Geschichte erzählt, die mit uns verbunden ist, gibt uns das Gefühl, die Dinge im Einklang mit der Natur zu tun.“ S. 200-201.

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Vielen Dank an K. für diese wunderschöne Rezension!

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