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Eine Pädophilen-Novelle, die ihresgleichen sucht

Der Tod in Venedig Thomas Mann

Mein halbes Wochenende verbrachte ich mit Gustav Aschenbach. Er war nicht unbedingt der Mann, den ich mir vorgestellt habe. Zu alt, zu süchtig nach Ruhm und verliebt in jemand anderen. Eigentlich habe ich ihn auch nur beobachtet, wie er seiner Liebe hinterher gespannt hat. Diese Ironie sollte man sich vor Augen führen. Einen Spanner beim Spannen bespannen. Nein, das wird gewiss nicht mein liebstes Hobby werden. Vielleicht hat der eine oder andere schon erraten, was ich mir zu Gemüte geführt habe. Es war nichts Geringeres als die berühmte Novelle „Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann.

Woher kommt der Ruhm von „Der Tod in Venedig“?

Das Lesen dieser 140 Seiten war für mich kein Genuss. Entspannen konnte ich mich nicht. Ich musste mich immer mal wieder kurz ärgern, wie diese Novelle zu einem solchen Ruhm gelangen konnte. Aber das ist wohl so als Autor, wenn der Durchbruch mit einer Familiensaga einmal gelungen ist, dann kaufen die Kritiker und Leser alles. Das war damals mutmaßlich schon so und heute sowieso. Für Verlage macht sich das doch auch gut in ihren Verlagsvorschauen. „Das neue Buch von Dan Larsson.“ Egal, ob der Autor eigentlich schon Tod ist und das Buch zurecht irgendwo in einer Schublade vergammelte bis gierige Verwandte es fanden. Die Leute kaufen das! Nagut, ganz so war es vielleicht nicht mit „Der Tod in Venedig“, schließlich erschien es 1911. Thomas Manns Vorliebe für kleine Jungs war damals schon umstritten. Erfolgreich wurde das Buch wegen der mythologischen Anspielungen und weil es sehr stark den Tod thematisiert.

er Tod in Venedig Thomas Mann

Erstellt mit Canva.com

Der für Thomas Mann so typische Satzbau raubte mir noch den letzten Nerv. Eigentlich hat mir schon dieser bescheuerte Plot gereicht. Ellenlange durch Komma getrennte Aneinanderreihungen von Nebensächlichkeiten und Wetterlagen. Kurzzeitig hatte ich  überlegt, ob ich mich daran versuche, einen Blogartikel in eben jenen Stil zu verfassen. Davor muss hier niemand Angst haben. Das ist erstens mörderisch anstregend und zweitens nützt mir ein Artikel, den keiner lesen möchte, nichts. Glück gehabt. Wir alle haben Glück gehabt.

In der berühmtesten Pädophilen-Novelle der Welt spielt Gustav Aschenbach die Hauptrolle. Berühmter Schriftsteller, schon in die Jahre gekommen, lebt nur für seinen Ruhm und ist schon lange Witwer. Eigentlich ein armes Würstchen, Sympathie konnte ich für ihn dennoch nicht finden. Er macht Ferien in Venedig und ist nur mit einem Vierzehnjährigen beschäftigt. Also er ist mit Hinterhersteigen beschäftigt. Am Ende wird die pädophile Liebe richtig absurd. Aschenbach lässt sich die Haare färben und sich schminken, um den Jungen zu gefallen. Er bleibt sogar in Venedig trotz Cholera und er denkt nicht einmal daran, die Familie des Jungen vor der Seuche zu warnen. Sie könnten ja abreisen! Diesen Blödsinn bezahlt er zumindest am Ende. Wie ist auch kein Geheimnis, wenn das Buch „Der Tod in Venedig“ heißt.

Könnte dieses Buch heute veröffentlicht werden? Definitiv nicht. Sozialpsychologen und Sittenwächter würden randalieren. Merkel würde aufhören zu schweigen, wenn Thomas Mann in der Jetztzeit seine Novelle erstmalig veröffentlichen würde. Diese Tatsache mit „Der Tod in Venedig“ aber schon fast wieder cool und Thomas Mann definitiv zum Revoluzzer.

Andere Meinungen zu „Der Tod in Venedig“
aus.gelesen
Williz Blog

Kommentierfrage: Musstet ihr Thomas Mann in der Schule lesen? Habt ihr euch davon je wieder erholen können?

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