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Geniale Begegnungen – Weltreise zu Nobelpreisträgern

Was können Nobelpreisträger, was andere Menschen nicht können? Welche Eigenschaften zeichnen sie aus? Warum sind sie so, wie sie sind? Peter Badge möchte die Persönlichkeit dieser genialen Wissenschaftler mit seinen Portraitfotos einfangen. Dafür reiste er über viele Jahre durch die ganze Welt. Die Geschichte hinter den Fotos wurde im März 2015 als Buch veröffentlicht mit dem Titel „Geniale Begegnungen“.

Peter Badge- Der Fotograf

Peter Badge wurde 1974 in Hamburg geboren und studierte Kunstgeschichte. Neben dem Fotoprojekt „Nobelpreisträger im Portrait“ ist er bekannt für weitere Fotoserien wie „Men on the Moon“, „Elviswho“ und „Philantropists“. Peter Badge ist Spezialist für Portraitfotos und konnte schon viele Politiker, Wissenschaftler und Künstler ablichten.

Sandra Zarrinbal – Die Autorin

Sandra Zarrinbal ist promovierte Juristin, freie Autorin, Lyrikerin und Ghostwriterin. Geboren wurde sie 1968 in Münster. Mit ihrem Sachbuch „Der letzte Zeuge“ schrieb sie einen Bestseller.

Geniale Begegnungen – Das Buch

Dieses Buch strotzt nur so vor Persönlichkeit. Marketing- und PR-Spezialisten würden jetzt einstimmig in einen Chor verfallen und das Wort „Authentizität“ die Tonleiter hoch und runter singen. Ich möchte dieses Buzzword aber nur ungern benutzen. „Geniale Begegnungen“ erzählt von Menschen mit Ecken und Kanten, die Großartiges geleistet haben in ihrer wissenschaftlichen Disziplin und aber immer noch Menschen geblieben sind.

Das Buch hat jede Menge zu erzählen über die persönliche Begegnung zwischen Nobelpreisträgern und dem Fotografen – Peter Badge. Es ist also keinesfalls ein Sachbuch, das sich in ellenlangen Ausführungen mit den wissenschaftlichen und hochkomplexen Erkenntnissen auseinandersetzt. Das macht dieses Buch auch, aber nur am Rande und auf sehr verständlichem Niveau. Peter Badge ist eben kein Wissenschaftler, sondern Fotograf und interessiert an der Person. In erster Linie wird also die Frage beantwortet, wie war es Nobelpreisträger zu treffen und welche kleinen Macken oder liebenswerten Züge haben diese Menschen? Und dass Nobelpreisträger auch sehr liebenswert sein können, beweist Peter Badge definitiv, wenn er von seinen Freundschaften zu ihnen berichtet.

Ich weiß leider nicht, wieviele Preisträger mittlerweile portraitiert wurden, aber ich würde schon sagen, dass dieses Projekt ein Lebenswerk ist. Peter Badge investiert hierein sehr viel Zeit, Geld und Mühe. Manchmal ist schon die Einreise in ein Land ziemlich umständlich und wahnsinnig abenteuerlich. Den Menschen hinter den Laureaten einzufangen ist Kunst und sicherlich nicht trivial. Wäre dazu jemand anderes in der Lage? Vielleicht. Aber macht das auch jemand anderes? Nein. Und das ist jawohl alles, was zählt und ich finde genau das hat Peter Badge auch mit seinen Portraitierten gemeinsam.

Wie auch immer wir uns heute oder morgen zusammensetzen, ob zum Astronomen oder Aphoristiker, Weltbild-Umstürzler oder Sommerhaus-Urlauber, zur Natur-Brünetten oder Wasserstoff-Blondine, zum ‚Beautiful Mind‘ oder ‚Mind on Strike‘ – am Ende behält Georg Christoph Lichtenberg recht: ‚Der Mensch ist ein solches Wunder von Seltsamkeit.‘ Für mich ein ganz und gar akzeptbales Ergebnis aller Selbstbetrachtungen. – S. 505

Manchmal erfährt man in „Geniale Begegnungen“ auch etwas über die Hintergründe der wissenschaftlichen Arbeit. Die Wissenschaftler forschen oft jahrelang an etwas und wissen natürlich vorher nicht, ob es von Bedeutung ist oder ob jemals irgendeine vernünftige Erkenntnis sich daraus gewinnen lässt. Selbst nach der Entdeckung eines bedeutenden Zusammenhanges dauert es häufig noch Jahre bis zur Würdigung durch den Nobelpreis. Diese Wissenschaftler und auch Friedensnobelpreisträger machen gewiss nicht das, was sie tun nur wegen der Ehrung. Denn diese ist eigentlich ziemlich gering. Die Preisträger werden selten so berühmt wie Popstars, obwohl sie es vielleicht mehr verdient hätten. Hinter der Arbeit der Laureaten stecken sehr viel Durchhaltevermögen, Hartnäckigkeit und auch eine gewisse Leidensfähigkeit. Und dabei sind die Laureaten nicht nur Fachidioten, wie Peter Badge immer wieder betont. Die Preisträger interessieren sich für sehr viele Themen, besitzen weitere Talente und Interessen, selten sind sie nur Experten für ihre kleine Forschungsnische.

Ich habe mir für das Lesen dieses wunderschönen Buchs viel Zeit gelassen. Es ist ein Mammutbuch zu einem Mammutprojekt – das wollte ich würdigen, indem ich mir Zeit für die einzelnen Laureaten lasse. Besonders beeindruckend waren die Texte über Günter Grass und John Forbes Nash Jr. für mich. Generell hatte ich meine größte Freude immer an den Literatur- und Wirtschaftspreisträgern. Wobei man eigentlich sagen muss, dass der Wirtschaftsnobelpreis kein originärer Nobelpreis ist, denn er wird von der Schwedischen Reichsbank verliehen. Ich bin sehr froh, „Geniale Begegnungen“ gelesen zu haben. Die einzigen Kritikpunkte sind für mich die Ausschweifungen, die Peter Badge manchmal gemacht hat und die Größe der abgedruckten Bilder. Die Fotos hätten gern etwas größer sein können.

Fazit

„Geniale Begegnungen“ ist ein großartiges Buch über großartige Menschen. Es zeigt Nobelpreisträger aus einem anderen und irgendwie aufregenden Blickwinkel.

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Vielen Dank an den daab Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.