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Das krampfhafte Beharren auf Unsterblichkeit

Das krampfhafte Beharren auf Unsterblichkeit

Vor lauter Leichtsinnigkeit vergisst man gern als junger Mensch das Ende. Eigentlich ist vergessen auch nicht das richtige Verb. Es ist eine Mischung aus Vergessen, Verdrängen und einfach Nicht-Wissen. Der Tod ist auch wahnsinnig weit weg. Erwartet er einen doch erst mit 80 Jahren und diese Dauer ist für 20 Jährige jawohl unvorstellbar. 80 Jahre irgendwo auf der Erde rumkrebsen, das ist ungefähr so vorstellbar wie die Existenz des Planeten Kronos der Klingonen. Also schwierig.

Und eigentlich glaubt man ja auch nicht an den Tod. Was ist das schon? Was sagt das aus? Kann man das essen? Nein. Irgendwie ist man wirklich geneigt, zu denken: Okay, den Tod gibt es. Aber danach geht es munter weiter. Weiterleben. Als wäre nichts gewesen. Das klappt vielleicht für die Hindus unter uns mit ihrem Samsara, also den Kreislauf von Werden und Vergehen. Die haben dann natürlich einen Anreiz, wie die Bekloppten gutes Karma anzusammeln. Und bei denen liegt es wohl wirklich am schlechten Karma, wenn es an 4 Montagnachmittagen hintereinander anfängt, in Strömen zu regnen, wenn man gerade die Uni verlässt. Aber für die meisten, die das hier lesen werden, ist das doch eher unwahrscheinlich.

Also halten wir fest: Ja. Den Tod gibt es. Ja. Aber seine Bedeutung dringt nicht durch. Okay. Ist das jetzt schon Dummheit oder liegt das wirklich an den ganzen Ablenkungen der Jugend? Es ist auch einfach zu süß – Zerstreuung. Die Nächte soweit Ausdehnen, dass es sich eigentlich auch überhaupt nicht mehr lohnt, ins Bett zu gehen. Hoher Ethanolkonsum. Von einem Spektakel ins Nächste rutschen.  Der Körper steckt das locker weg, ohne groß zu meckern. Wie soll da auch jemand auf die Idee kommen, dass der Körper irgendwann beginnt zu streiken? Erste Zeichen des Alters werden sowieso ignoriert, die Falten um die Augen machen uns doch nur erwachsener. Irgendwie.

Die Naivität der Kindheit verschwindet zunehmend aus dem Leben. Das ist manchmal schade und manchmal gut. Es gibt Punkte im Leben, da wird man gezwungen, zum Grizzly zu werden. Diese Momente nehmen sogar noch zu. Und vielleicht bestärken die Grizzly-Situationen auch noch das Denken an die eigene Unsterblichkeit. Weil es geht nichts schief, die Lage danach ist besser als der Zustand davor.

Aber was, wenn du dann doch mit dem Tod konfrontiert wirst, der endgültig ist?

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