Kapri-zioes

5 Gedanken zu „Der Name der Rose“ von Umberto Eco

Vor einiger Zeit habe ich mich sehr intensiv mit dem Klassiker von Umberto Eco schlechthin befasst. „Der Name der Rose“. Das war ein Buch! Selten habe ich so ein Kaliber von Buch zur Lektüre vor der Nase gehabt. Gelesen habe ich dieses Werk im Rahmen meiner „100 Bücher aus 20. Jahrhundert“-Challenge. Andere machen halt 30 Tage lang Kniebeuge, ich lese 5 Jahre lang alte Schinken.

1.    Umberto Eco ist ein Meister der Abschweifung. Ich habe das selten erlebt, aber dieser Mann kann tatsächlich eine Seite mit Begriffen für ein und dasselbe füllen. In Aufzählung! Oder er fängt mir nichts dir nicht an, im Fließtext, wo es doch eigentlich um diese rätselhafte Mordserie im Kloster gehen sollte, über Kirchengeschichte zu philosophieren. Und das passiert dann wirklich seitenweise.

2.    „Der Name der Rose“ ist eigentlich kein Krimi oder so etwas. Es ist eine ziemlich lange Auseinandersetzung mit Gelehrtenideen (vornehmlich aus der Theologie), getarnt als Unterhaltungslektüre. Wobei das jetzt bitte nicht negativ aufgefasst werden sollte! Viele Bücher aus der Krimiabteilung von heute haben wenig Niveau und sollten sich ruhig mal eine Scheibe Tiefgründigkeit von Umberto Eco abschneiden.

3.    War Jesus nun arm oder nicht? Diese Frage treibt die Protagonisten neben der Auflösung der Morde das ganze Buch über um. Beziehungsweise ist für sie die Antwort klar, aber man kann es eben nicht beweisen. Aber man müsste es beweisen, um dem Papst und seinen raffgierigen Kardinälen endlich mal Einhalt zu gebieten. Die brauchen nämlich eine Rechtfertigung vor der Öffentlichkeit, um ihre ganzen Reichtümer ansammeln zu dürfen. Diesen Konflikt stellt Umberto Eco sozusagen als zweiten Handlungsstrang neben der Untersuchung der Morde dar.

4.    „Bisher hatte ich immer gedacht, die Bücher sprächen nur von den menschlichen oder göttlichen Dingen, die sich außerhalb der Bücher befinden. Nun ging mir plötzlich auf, dass die Bücher nicht selten von anderen Büchern sprechen, ja, dass es mituner so ist, als sprächen sie untereinander. Und im Licht dieser neuen Erkenntnis erschien mir die Bibliothek noch unheimlicher.“ – S.291 „Der Name der Rose“ ist ein Buch für Buchliebhaber! Eine sensationelle Bibliothek steht sozusagen im Kern der ganzen Geschichte.

5.    Umberto Eco ist mit William von Baskerville, dem „Detektiv“ des Buchs, ein grandioser Charakter gelungen. William setzt schon bereits im 14.Jahrhundert für so fortschrittlichen Gedanken, wie mehr Macht für das Volk, ein. Dieser Franziskanermönch hat einen messerscharfen Verstand und erinnert sehr stark an Sherlock Holmes. Allein um William kennenzulernen, solltet ihr „Der Name der Rose“ lesen.