Kapri-zioes

Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel

Puh. Das ist ja mal ein Buchtitel, da brauche ich ja schon 5 Minuten, um den in die Überschriftenzeile zu pressen. Schräg. Was für eine Geschichte sich wohl dahinter verbirgt? Und wieviel Drogen musste der Autor nehmen, um sich sowas auszudenken? Schwer zu sagen.

Wer ist dieser Autor, Bradley Somer eigentlich? Den Namen habe ich noch nie gehört …

Zunächst einmal ist Bradley Somer Australier, er wurde geboren in Sydney. Aber sehr viel mehr erfährt man dann im Internet auch nicht über ihn. Lediglich, dass er bereits Tonnen von Kurzgeschichten geschrieben hat und diese auch manchmal in Zeitschriften oder Anthologien veröffentlicht wurden.

„Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“ ist nicht sein erster Roman, sondern schon der Zweite. Debütiert ist Bradley Somer mit „Imperfektions“, den gibt es aber bislang nur in Englisch. Sehr bemerkenswert ist, dass die deutsche Variante von „Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“ bereits erschienen ist, obwohl „Fishbowl“ erst im August 2015 erscheinen wird. Sowas habe ich bisher noch nicht erlebt.

Der Inhalt

Der frühe Fisch fällt in den Wurm, oder so ähnlich. Eigentlich handelt das Buch davon, wie ein Goldfisch, Ian, aus dem 27. Stock springt und fällt. Nebenbei kommen auch die Bewohner dieses Hochhauses mit ihren persönlichen Geschichten zu Wort. Und ich kann euch sagen, ein Haus kann ganz schön viele Probleme beherbergen.

Was ist das nun für eine Geschichte?

Die Antwort auf die Frage fällt mir wirklich schwer. Wenn ich dieses Buch im Buchladen irgendwo auf einen der drölfhundert Präsentationstische liegen gesehen hätte, ich hätte es nicht mitgenommen. Das Cover passt mir zu gut in diese Abteilung für Herzschmerz-Kitsch-Frauenbücher. Mit denen stehe ich auf Kriegsfuß, die kommen mir nicht ins Regal, auf den Tod nicht.

Aber „Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“ war das erste Buch, was ich ohne Anfrage oder Wunsch einfach so per Post zugeschickt bekam und ich dachte, da musst du dich jetzt mal überwinden.

Unendlichkeit ist Unendlichkeit, denkt er. Es ist nicht meine Aufgabe, ihre Zählbarkeit zu untersuchen, sondern nur, sie zu akzeptieren. – S. 59

Der Beginn dieses Buchs kam mir dann auch besonders originell vor. Die Sprache war toll, ein ganz neuer Ton, das hatte ich so noch nicht gelesen. Aber Bradly Somer ist in Deutschland auch momentan noch sehr unbekannt. Da muss er schon etwas leisten, um das zu ändern.

„Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“ ist ein Buch, dass die zähe und öde Langeweile des Alltags durchbrechen möchte, indem es genau über diesen ätzenden Alltag erzählt. Im Buch kommen die verschiedensten Personen zu Wort, jede mit den eigenen, sehr menschlischen Wehwehchen und Katastrophen. Das Buch ist schon sehr auf Drama ausgelegt.

Die Handlungsstränge sind sehr ineinander verflochten, man trifft auf Wiederholungen ein und derselben Szene, nur eben aus verschiedenen Perspektiven. Die Charaktere sind alle schrullig und doch sehr liebenswürdig. Bradley Somer wird auch richtig philosophisch, wenn er den Goldfisch zu Wort kommen lässt.

Was Troy, die Schnecke, sehr wohl verstanden hat, ist, dass einem ein abenteuerloses Leben mit Sicherheit ein beeindruckend langes Leben beschert. Aber hat es sich gelohnt, das Fischglas aus Angst vor dem Unbekannten nie zu verlassen? Dieser Meinung ist Ian nicht. Ein ganzes Leben in einem Fischglas führt dazu, dass man als alter Fisch stirbt, ohne auch nur ein einziges Abenteuer erlebt zu haben. – S.63

Aber im Grunde ist „Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“ wirklich nur ein weiteres dieser Frauenbücher. Eine Geschichte über endende Liebe, neue Liebe, Tod und Geburt. Die Verpackung dieses Stoffs war nur ziemlich kreativ. Aber wirklichen Tiefgang hatte die Geschichte für mich nicht.

Fazit

„Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“ ist leichte Kost für das Leserherz. Schnell und unterhaltsam, aber es bleibt nur an der Oberfläche.

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