Kapri-zioes

11 Literaturorte in Marburg

In meinen Semesterferien habe ich das Mekka für Bücherwürmer besucht. Ich rede jetzt nicht von einer der Buchmessen, denn die paar Tage im Jahr zählen jawohl wirklich nicht. Das ist eher der Ausnahmezustand. Ich rede von einer altehrwürdigen Universitätsstadt in Hessen: Marburg

Dieses etwas verschlafene Örtchen besitzt nicht nur ein wunderschönes Schloß und traumhafte kleine Gassen mit jeder Menge Fachwerkhäusern. Es besitzt gefühlt 50 Buchhandlungen und Antiquariate. Und das bei etwas über 70.000 Einwohnern. Ein paar dieser Literaturorte möchte ich euch gerne vorstellen:

  1. Thalia im Ahrens
    Nun. Ich beginne mal mit dem Unspektakulären. Thalia ist auch schon da. Und es sieht natürlich aus wie auch überall sonst in deutschen Städten. Aber ich habe mir von einheimischen Studenten sagen lassen, dass Thalia dort sehr geschätzt wird wegen der billigen DVDs.
  2. Antiquariat Kretzer
    Wer mal so ein richtig edles Antiquariat mit tollen alten Bücherschätzen im Schaufenster sehen will, der sollte sich in die Barfüßerstraße 18 / Ecke Augustinertreppe (Oberstadt) begeben. Hier gibt es das Antiquariat Kretzer mit schweren Holzmöbeln, gemütlicher Sitzecke und erfrischend freundlichem Personal. Die Preise sind keine Ramschpreise, aber die alten Bücher sind dort gewiss auch kein Ramsch.
  3. Das Wohnhaus der Gebrüder Grimm
    Marburg ist Grimmstadt. Die Gebrüder Grimm haben zu ihrer Zeit in Marburg studiert. Mittlerweile ist die Anzahl der Studenten auf 23.000 gestiegen. Man kann förmlich behaupten, dass die Stadt von ihnen lebt.
  4. Aquilarius
    Das Schaufenster dieser Buchhandlung ist wirklich toll gestaltet. Thema: Meer. Da treffe ich auch auf gute alte Bekannte, auf den Verlag Ankerherz. Leider gefiel es mir innen nicht so sehr, das Sortiment war nicht wirklich einfallsreich. Und als ich wieder herausging, war vom schönen Schaufenster auch nichts mehr zu sehen, weil alles zugestellt war mit Kartenständern und Tischen. Schade!
  5. Der Rote Stern
    Bekannt war mir diese Marburger Institution schon von alten Erzählungen. Mit Ende der DDR hat nämlich die hießige Buchhandlung alle alten DDR-Bücher, die sie nicht mehr hier verkauft bekam, an die Buchhandlung Roter Stern verschicken können. Dort schien das Geschäft mit DDR-Literatur zu boomen.
    Nichtsdestotrotz ist der Rote Stern eines meiner persönlichen Highlights der Buchhandels-Kunst. So ein gut ausgewähltes Sortiment habe ich selten gesehen. Da scheint wirklich jemand ein Händchen für den Einkauf zu haben. Neue Bücher liegen dort neben älteren Büchern, bekannte Autoren befinden sich in Nachbarschaft mit noch unbekannten, aber bald schon aufstrebenden Sternen. Es war für mich ein Fest!

    Der Rote Stern besteht aus drei Teilen: Es gibt eine normale Buchhandlung, ein Café und ein Modernes Antiquariat. Ich kann alles nur empfehlen.
  6. Kirchenkiosk an der E(lisabeth)-Kirche
    Ein weiteres besonderes Highlight war für mich der Bücherkiosk. Immer mittwochs und samstags kann man hier wahre Buchschätze zu günstigen Preisen finden. Das Prinzip dieses Antiquariat basiert auf Spenden. Alte Bücher werden gespendet und der eingenommene Verkaufserlös wird für die Errichtung eines Pilger- und Begegnungszentrums an der Elisabethkirche verwendet. Man kann in dem Kiosk übrigens auch sehr tolle Gespräche führen! Das wissen viele Einheimische und so kann es schon vorkommen, dass sich so viele Leute in diesem kleinen Kiosk befinden, dass man kaum noch an die Bücherwände kommt.
  7. Buchhandlung am Markt
    Auch eine sehr schöne Buchhandlung mit guter Auswahl befindet sich am Markt in Marburg. Sie ist eine der kleineren Buchläden. Nichtsdestotrotz kann man hier liebevolle Thementische bestaunen mitten an der Peripherie, wo die ganzen Touristenströme durchgepeitscht werden.
  8. Buchhafen
    Etwas weg vom Schuss findet man ein weiteres Antiquariat auf dem Ketzerbach. Es gibt dort Tonnen von antiquarischen Büchern, viele sehr günstig im Erwerb, aber nicht wirklich ausgefallene Bücher. Wer Unikate sucht, der sollte doch lieber eine andere Lokalität aufsuchen, wer hingegen auf Schnäppchen aus ist, der sollte sich den Buchhafen nicht entgehen lassen.
  9. Elwerts
    Ebenfalls eine Institution am Marburger-Bücher-Himmel ist die Buchhandlung Elwerts. Es ist über die Stadtgrenzen hinaus wohlbekannt und gehört zu den wirklich alten Buchhandlungen. Wahrscheinlich findet man hier die größte Anzahl von Büchern, die man kaufen kann, auf einen Fleck. Mehr Bücher gibt es wohl nur in den diversen Unibibliotheken.
    Elwerts ist eine Universitätsbuchhandlung und führt viele Fachbücher, aber auch das normale Sortiment mit Belletristik und populären Sachbüchern kommt nicht zu kurz. Mittlerweile gehört es zu Lehmanns, hat aber nichts vom alten Glanz eingebüßt.
  10. Con:Text
    Auf den ersten Blick ist der Besucher des Con:Text möglicherweise etwas verwirrt. Das Ladenkonzept ist etwas besonders: weder ganz Buchladen noch ganz Café. Aber die Mischung ist unwiderstehlich vor dem rustikalen Hintergrund, das etwas den Charme einer alten Industriehalle versprüht. Sehr modern. Am ehesten kann das Con:Text als Begegnungsstätte bezeichnet werden.

    Wenn man etwas auf Entdeckungstour geht im Laden, kann man den alten Gewölbekeller bestaunen. Mit etwas Glück gibt es da unten sogar eine kleine Veranstaltung.
  11. Der ruhige Küchentisch einer WG irgendwo in Marburg
    Letztendlich war einer meiner liebsten Literaturorte die Küche einer Studenten-WG in Marburg. Hier konnte ich mich nach dem Frühstück erstmal in ein Buch vertiefen und ruhig in den Tag starten. Aber nicht nur das waren sehr schöne Momente in dieser WG, auch die gemeinsamen Spaziergänge, DVD-Sessions und Spieleabende haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Dankeschön.