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Atemlos – Beim Sterben ist jeder allein

Atemlos – Beim Sterben ist jeder allein Michael Vieten

Normalerweise bin ich ziemlich rigoros und lehne alle Anfragen von Selbstpublishern ab. Ich habe da noch Traumata aus der Vergangenheit: Zu schlecht sind die Texte – zu viele Rechtschreibfehler – einfallslose Ideen – ungenügender Ausdruck. Als anspruchsvoller Leser läuft es mir da einfach kalt den Rücken runter.

Bei Michael E. Vieten ist das anders. Ich habe mich zu einer Ausnahme hinreißen lassen und mein Leserherz schlug diesmal wirklich hoch! Herr Vieten ist mit „Atemlos – Beim Sterben ist jeder allein“ ein sehr guter Krimi gelungen

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Erstellt mit Canva.com

„Atemlos – Beim Sterben ist jeder allein“

Wir erleben Anselm Jünger in Aktion. Er ist ein freundlicher, ruhiger und fast schon unsichtbarer Mann. Im besten Sinne unauffällig – niemals lärmend, immer rücksichtsvoll. Aber wehe, wenn jemand ihn in irgendeiner Weise kränkt oder zurückweist. Dann kommt sein Monster zum Vorschein. Dieser eiskalte und äußerst präzise Killer, der seine Morde bis ins minutiös plant. Da hat die Supermarktkassiererin, die ihn unfreundlich behandelt und ihn etwas gängelt einfach keine Chance. Sie muss weg, ihr Leben ist verwirkt.

Atemlos – Beim Sterben ist jeder allein1

Meine Meinung zum Buch

Michael Vieten ist mein Geheimtip an die Tatort-Freunde unter euch. Äußerst humorvoll beschreibt er den mit Leichten gepflasterten Weg eines Psychopathen. Gewalt spielt bei den Morden eine Rolle, aber es ist niemals zu viel. Sie kommt nicht sinnlos und verschwenderisch zum Einsatz. Für mich war es in „Atemlos – Beim Sterben ist jeder allein“ genau die richtige Dosis an Brutalität.

Anselm hasste solcherart Variablen und Unwägbarkeiten. Er liebte Konstanten und Garantien. – S. 10

Besonders möchte ich die Figuren hervorheben in diesem Buch. Selten habe ich einen Autor erlebt, der sich so viel Zeit für seine Charaktere nimmt. Liebevoll wird sich Zeit und Raum im Buch genommen für Anselm Jünger, den rücksichtslosen Mörder und seinen Antagonisten Hauptkommissar Horst Krieger. Manchmal war ich mir beim Lesen auch nicht sicher, auf welcher Seite ich denn nun wirklich stehe. Anselm Jünger ist ein Mörder, dennoch wirkt er beim Lesen sehr sympathisch und man glaubt ihm fast schon, dass diese Morde jetzt sein müssen. Dieser Rollentausch der Figuren hat mir sehr viel Spaß gemacht, es war für mich eine neue Erfahrung.

Du bist schon richtig im Kopf. Es ist nur so, dass in den meisten Köpfen nicht viel drin ist. Was sollen sie also denken, mit ihren hohlen Birnen.“ – S. 82

Den Schreibstil von Michael Vieten kann ich nur loben: Der Ausdruck sitzt, die Sätze sind ausgepfeilt und an den richtigen Stellen. Die Rechtschreibung ist, im Gegensatz zum Großteil der Selfpublisher, fast fehlerfrei.

Hauptkommissar Krieger schlug ein wie ein Meteorit. Groß, schwer und vernichtend. Die Zerstörung war vollkommen. – S. 147

Es hat mir große Freude bereitet, diesen Krimi zu lesen. Manchmal hätte ich mir noch ein klein wenig mehr Schwung gewünscht, aber „Atemlos – Beim Sterben ist jeder allein“ war ein toller Auftakt für eine Krimireihe und ich freue mich schon auf den zweiten Band.

Fazit

Es gibt Perlen unter den Selfpublishern – Michael Vietens „Atemlos – Beim Sterben ist jeder allein“ ist so eine. Jeder Krimiliebhaber sollte dieses Buch lesen!

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  1. Vielen lieben Dank für diese wunderbare Rezension. Atemlos2 wird sich anders lesen, aber keinesfalls enttäuschen.

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