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Meine 5 Lieblingszitate aus „Fragmente“ von Emrah Serbes

Manchmal gibt es Bücher, die aus der Reihe tanzen. Und manchmal gibt es Verlage, die aus der Reihe tanzen. Ich bin immer noch ganz sprachlos wegen eines ungewöhnlichen Buchs aus einem ganz besonderen Verlag.

„Fragmente“ läuft unter dem Begriff „Erzählungen“. Irgendwie ist das zutreffend, dann aber auch nicht. Emrah Serbes hat ein schmales Buch verfasst, in denen die unterschiedlichsten Geschichten und Texte stehen. Ab und zu gibt es auch ein Foto zu sehen. Aber das klingt jetzt ziemlich banal, das Buch ist sehr viel mehr als aneinandergereihte Buchstaben und Sätze.

Ich habe „Fragmente“ nun schon vor ein paar Tagen gelesen und hatte immer wieder den Drang, einzelne Fragmente nochmals zu lesen. Man kann das Buch einfach irgendwo aufschlagen und beginnen zu lesen, die einzelnen Mini-Kapitel hängen nicht zusammen. Ich erfreue mich immer wieder an den Gedanken von Emrah Serbes, alle großen Themen (Tod, Leben, Liebe, Freundschaft) spricht er an. Die Zeilen sind so dicht, so prägnant und so voller Lebenserfahrung – beim Lesen habe ich mich ständig gefragt, wie alt bitte Herr Serbes ist, weil auf Fotos sieht er nicht alt aus, aber die Texte müssen doch von jemandem verfasst worden sein, der schon mindestens 3 Leben mitgemacht hat. Gerade habe ich nachgesehen, Emrah Serbes wurde 1981 geboren. Ich bin 9 Jahre jünger und anscheinend so richtig langweilig.

Der Autor ist ein türkischer Autor. Er lebt und schreibt in der Türkei. Genau solche Autoren werden vom Binooki Verlag verlegt. Dieser kleine und wahnsinnig sympathische Indie-Verlag kämpft für eine vorurteilsfreie Zone und unterwandert das Abendland mit echter türkischer Literatur.

Den besten Eindruck über das Buch erhaltet ihr übrigens, wenn ihr es lest. Ganz im Ernst. Eine Rezension wird es niemals schaffen einen richtigen Eindruck über „Fragmente“ zu vermitteln. Ich unternehme jetzt einen Versuch und stelle euch meine fünf liebsten Zitate aus dem Buch vor. Wenn ihr danach noch keine Lust habt, dann ist euch nicht mehr zu helfen.

  1. Fängst du an, deine Träume für wahr zu nehmen, entdeckst du auch Makel an ihnen.       – S.16
  2. Der wahre Grund, warum wir unsere ersten Lebensjahre vergessen ist, dass diese Jahre so beschähmend sind. – S.44
  3. Die Konsequenz darf man nicht zum Tarnmantel der Charakterlosigkeit werden lassen.      – S.23
  4. Wenn ein Mensch, den wir lieben, stirbt, ist die Rückkehr ins Leben wie Fahrradfahren lernen. Doch das Fahrrad fährt nur bergab. – S.12
  5. Die Menschen, die unser Leben hätten verändern können, sind still und leise an unserem Leben vorbeigezogen. Wir haben sie nicht gesehen, sie saßen nicht auf schwarzen Rössern. – S.69