Kapri-zioes

5 Gründe das Buch „Das hätten wir uns sparen können!“ von Hagen Siemers nicht zu lesen

Es ist sehr selten geworden, dass mir ein Buch absolut nicht zusagt. Aber vor ein paar Tagen war es wieder soweit. Eigentlich hatte ich mich wirklich gefreut auf ein gut recherchiertes und professionell geschriebenes Sachbuch aus dem Bereich Wirtschaft. Denkste.

Ausgeschrieben heißt der Titel „Das hätten wir uns sparen können!: Ein Schwarzbuch missglückter Reformen – von Hartz IV bis zum Ausverkauf des Staates“. Ja. Kann man so machen, ist nur richtig sperrig. Auf dem Klappentext wird versprochen, die großen Reformen zu Beginn des neuen Jahrtausends unter die Lupe zu nehmen. Außerdem sollte es noch einen Blick in die Zukunft geben – also wie geht es weiter und wie kann man falsche Entwicklungen vielleicht noch stoppen. Super, das klingt nach konstruktiver Kritik. Wie hätte man die Reformen gerechter gestalten können? Was würde gegen soziale Ungleichheit helfen?

Ich studiere an der Universität Wirtschaftswissenschaften und interessiere mich sehr für VWL. Dabei bin ich auch sehr daran interessiert, nicht nur die Mainstream-Neoliberalismus/Neoklassik-Sachen zu pauken, sondern eben auch alternative Erklärungsmodelle mir anzueigenen. Schon allein deswegen hab ich mich aufs Buch gefreut, nur leider hat der Autor Hagen Siemers mich enttäuscht.

  1. „Das hätten wir uns sparen können!“ holt seine Leser nicht da ab, wo sie stehen. Mit meinem Wirtschaftswissenschaftenstudium bin ich als Leser eigentlich schon überqualifiziert, denn das Buch richtet sich eigentlich an Laien. Also jedenfalls denkt man das, wenn man sich das Cover und den Klappentext ansieht. Nur leider vergisst Hagen Siemers fast vollständig grundlegende Dinge zu erklären oder er macht das viel zu oberflächlich. Woher soll der Alltagsmensch denn noch wissen, was mit den Reformen angestrebt wurde oder was diese jetzt genau beinhalteten.
  2. Diesem Buch fehlt die Systematik. Ein roter Faden ist nicht wirklich zu erkennen. Vielleicht hat das Buch einen roten Faden, aber nur der Autor sieht diesen. Die Kapitel werden nur lose aneinander geknüpft. Im Kapitel selbst kommen aufeinmal Beispiele, die nicht so richtig zum vorhergehenden Text passen.
  3. Dieses Buch hat den Anspruch ein Sachbuch zu sein verfehlt. Hagen Siemers wettert und polemisiert. Objektivität scheint ein Fremdwort zu sein. Natürlich kann man auch Sachbücher unterhaltend schreiben, liebendgern! Aber wenn hier nur Sätze wie beim Stammtisch der alten Herren aneinandergereiht werden, dann hört der Spaß auf. Und drei Ausrufezeichen nacheinander (!!!) gehören in persönliche Briefe, aber nicht in ein Sachbuch von einem Wissenschaftsverlag.
  4. Im Text tauchen Dinge auf, die da überhaupt nicht hingehören und eigentlich nichts mit dem Thema „Reformen und was ging schief“ zu tun haben. Oder wie will man sich erklären, dass der Autor aufeinmal beginnt, das Fernsehprogramm mit den nächtlichen Talkshow und deren häufige (meist prominente) Gäste zu bewerten? Was hat Heiner Geißler mit Reformen zu tun?
  5. Auf den Leser prasseln die Beispiele nur so ein. Beim Lesen hatte ich eher das Gefühl, dass Hagen Siemers endlich mal alle Beispiele und Eskapaden der letzten 15 Jahre in einem Buch unterbringen wollte, um sich mal richtig Luft zu machen. Beispiele dienen doch dazu, Sachverhalte zu erklären und zu vertiefen. Sie sollten doch kein Selbstzweck sein, einfach nur, weil es sich so herrlich darüber schimpfen lässt.

Zusammenfassend kann ich „Das hätten wir uns sparen können!“ von Hagen Siemers beschreiben mit: Potenzial verschenkt, Lektüre lohnt sich nicht. Ich bin enttäuscht darüber, das Buch hätte einschlagen können wie eine Bombe bei dem Thema.