Kapri-zioes

Hinter dem Mond von Wäis Kiani [Rezension]

Auf lovelybooks wurde wieder Mal eine Leserunde veranstaltet. Ich war ganz aufgeregt, als ich den Namen Wäis Kiani las, hatte ich doch schon etliche Kolumnen von ihr mit dem größten Vergnügen gelesen. Und die gute Fee hat mich beim Auslosen auch nicht im Stich gelassen, ich wurde ausgewählt und gewann das Buch! Meine Freude war riesig. Das Buchcover gefiel mir schon auf Fotos und in der Realität war es noch schöner. Hell, freundlich und eine Nuance exotisch.

Hinter dem Mond – Der Inhalt

Lilly ist neun Jahre alt und weiß schon ziemlich genau, was sie will. In Deutschland bleiben. Ihre Eltern beschließen dennoch zurück in die Heimat, Teheran im Iran, zu ziehen. In Teheran ist es wie hinter dem Mond: Alle reden eine komische Sprache, ziehen sich seltsam an und benehmen sich auch völlig anders als in Deutschland. Ein richtiger Kulturschock, den Lilly da mitmachen muss. Aber es liegt nicht in Lillys Natur sich anzupassen und stumm alles mitzumachen. Nein, sie wehrt sich. Sie schimpft, meckert und verhält sich absolut widerspenstig. Eine richtige Rebellin – schwänzt die Schule, fährt Motorrad und zieht sich an wie ein Model oder auch wie eine Nutte, wenn man ihre Mutter fragt. Alles, was sie möchte, ist eine Rückkehr nach Deutschland. Ob ihr Wunsch wahr wird?

Meine Meinung

Der Anfang war so schön! Frau Kiani schrieb im bissig- ironischen Stil ihrer Kolumnen, ich war regelrecht begeistert. Aber diese Freude hielt bei mir leider nicht lang an.
Mit der Zeit begann mich, dieser Stil zu nerven. Überall wird rumgemotzt, geschimpft, geschrien, Drama gespielt ohne Ende. Diese Hysterie war mir in Überdosis zu viel. Vielleicht meinte es Wäis Kiani zu gut mit den Stilmitteln, hat zu sehr versucht die aufgeregte Art der Perserinnen darzustellen. Sind wirklich alle Perserinnen hysterisch, wie die Autorin mit glauben machen möchte? Das Gegenteil von gut ist eben gut gemeint. Zu wie viel Prozent besteht das Buch aus Schimpfwörtern? Gefühlt die Hälfte. Das ist mir einfach zu übertrieben.
Den Charakter Lilly hat Wäis Kiani schön tief charakterisiert, das gefiel mir. Zu Beginn fand ich Lilly auch noch sympathisch trotz ihrer widerspenstigen Art. Aber später fand ich sie nur noch dämlich, dumm und viel zu egoistisch. Richtig nervig. Schade!
Ab der Hälfte des Buchs musste ich mich permanent fragen, warum die Eltern nicht einfach wieder nach Deutschland fuhren? Wenn es im Iran so chaotisch war? Ich kann mir die Frage nur selbst beantworten: Wahrscheinlich hingen sie zu sehr am Iran. Von Wäis Kiani wurde diese Frage gar nicht aufgegriffen.
Der Plot war interessant. Ich habe davon so viel erwartet. Hintergründe zum Land, tolle Begebenheiten aus dem Leben. Vielleicht sogar den einen oder anderen biografischen Hinweis auf das Leben von Wäis Kiani? Ich kann nur mutmaßen, dass Lilly viel erlebte, was auch Frau Kiani erleben musste.

Fazit

Das Buch hätte so schön werden können! Die guten Ansätze waren da, aber zur Umsetzung sind sie nicht gekommen. Hinter dem Mond hat mich leider nicht überzeugt, vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch.