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Warum es sich lohnt, Stoner von John Williams zu lesen

Stoner John Williams

Stoner hat mittlerweile einen größeren Bekanntheitsgrad erlangt. Wochenlang befand sich das Buch auf der Spiegel Bestsellerliste. Ein wenig verwunderlich ist das zunächst schon. Der Roman wurde bereits 1965 veröffentlicht. Damals wurde Stoner jedoch nicht von einem breiteren Publikum wahrgenommen. Das änderte sich erst 2006, als es wieder verlegt wurde. 2013 kam die deutsche Ausgabe heraus. Und seit Dezember gibt es Stoner auch als Taschenbuchausgabe.
Es ist ein ziemliches Glück, das ich dieses Buch doch noch zu lesen bekam. Wie Victor Hugo schon sagte: „Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Ich habe die Lektüre sehr genossen.

John Williams

Der Autor lebte von 1922 bis 1994. Den großen internationalen Erfolg seines Stoner hat er also nicht mehr erlebt. Traurig. Aber das war ja leider mit vielen Künstlern so. Da schafft man etwas wirklich Geniales und ist seiner Zeit scheinbar voraus, nur keiner bekommt es mit oder es interessiert keinen. Für Erfolg muss eben auch die Zeit reif sein.
John Williams war ein Hochschullehrer und unterrichtete an der Universität Denver Kreatives Schreiben. Man sollte also meinen, dass Herr Williams sich mit der Materie auskannte.

Stoner – Der Inhalt

William Stoner wurde als Sohn einer Farmerfamilie geboren. Es war ein hartes Leben, der kargen Erde jedes Jahr aufs Neue das Bisschen abzuringen, was möglich war. William Stoner sollte es ein wenig besser haben als seine Eltern und er sollte später einmal die Farm übernehmen. Deshalb schickten seine Eltern ihn zum Studium der Agrarwissenschaften.
Im fortschreitenden Studium entdeckte er dann seine Leidenschaft für Literatur, die sein Leben für immer verändern und prägen sollte.

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Meine Meinung

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Stoner gelesen habe und ich war schwer begeistert. Noch Tage später gingen mir Details aus Stoners Leben durch meinen Kopf. Manche würden bestimmt meinen, dass Stoners Leben langweilig war. Aber ich denke, es ist nicht der Sinn dieses Buch über ein dramatisches Leben mit jeder Menge haarsträubenden Ereignissen zu berichten.

Und wenn ein Volk genügend Kriege mitmacht, bleibt schließlich nur noch das Biest übrig, … – S. 49

Es geht um das gewöhnliche Leben. Das Leben, was jeder Mensch jeden Tag durchläuft. Und allein das ist ja schon besonders. Ich habe John Williams unaufgeregten Schreibstil sehr gemocht. Er zeichnet ein sehr genaues Portrait von William Stoner. Mit vielen Details und Gedanken. Dadurch schafft es der Autor, ein sehr plastisches Bild zu vermitteln. Alle Handlungen sind immer zu Hundert Prozent nachvollziehbar und auch authentisch. Bei vielen Romanen vermisse ich diese Authentizität.

Nun, draußen in der Welt würdest du bald eines Besseren belehrt, denn du bist gleichfalls zum Scheitern bestimmt, auch wenn du nicht gegen die Welt ankämpfst. Du lässt dich von ihr verschlingen und wieder ausspeien, und dann liegst du da und fragst dich verwundert, was falsch gelaufen ist. – S.42

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Ich habe während der Lektüre eine große Bewunderung für die Person Stoner entwickelt. Er ist eine fiktive Person, jedenfalls wird das auf den ersten Seiten des Buchs behauptet. Dennoch war es für mich rührend zu lesen, wie ein Mensch es wirklich schafft, sein ganzes Leben seiner Leidenschaft zu widmen. Es war dabei auch niemals sein Ziel berühmt zu werden mit dem, was er tut. Es genügte ihm, Literatur zu lehren und sich damit zu beschäftigen. Sehr bescheiden.

Wie so viele Menschen, die ihren Erfolg ungenügend finden, war er über die Maßen eitel und verzehrt vom Gefühl der eigenen Bedeutsamkeit. – S. 77

Von dieser Bescheidenheit kann jeder lernen. Der größere Gedanke hinter diesem Buch war für mich, dass es viel wichtiger ist, das zu tun, was man wirklich möchte und gern tut, als nach Macht oder Erfolg zu streben. Und das ist doch eine schöne und zufrieden machende Lehre.

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Fazit

Mit Stoner ist John Williams schon vor Jahrzehnten ein wunderschöner und kluger Roman gelungen.

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