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Die neusten Gedankengänge von Karen Duve

Karen Duve Warum die Sache schiefgeht

Im Oktober 2014 erschien das neuste Essay von Karen Duve. „Warum die Sache schiefgeht“. Der Name ist Programm. Es ist ein zwiespältiges Werk geworden. Es dramatisiert. Es polarisiert. Es strotzt vor Sarkasmus. Und ich sitze hier und weiß immer noch nicht so recht, was ich denn von diesem kleinen Büchlein halten soll. Der verzweifelte Leser bin ich, wenn man es so will.

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Karen Duve

Vielleicht ist Karen Duve so manchem besser bekannt als die Autorin von „Anständig Essen“. Dieses Buch erschien pünktlich zu Weihnachten 2010 und nahm unter die Lupe, wie man sich denn eigentlich richtig ernährt als Mensch von heute. Dabei probierte Frau Duve verschiedene Ernährungsweisen beispielsweise vegetarisch und vegan aus. Profund schrieb sie die Erlebnisse aus ihrem Selbstversuch nieder. Ich mochte das Hörbuch dazu sehr.

Karen Duve wurde 1961 in Hamburg geboren und arbeitet seit 1996 als Freie Schriftstellerin.

Der Inhalt von „Warum die Sache schiefgeht“

In 6 Kapiteln wird die moderne Welt auseinandergerissen. Die Wurzel des Bösen wird reduziert auf Managementtugenden wie zum Beispiel Einsatzbereitschaft, Risikobereitschaft oder Durchsetzungsvermögen. In den Schlusskapiteln gibt Frau Duve noch eigene Lösungsvorschläge für die Misere der Menschheit.

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Meine Meinung

Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich innerlich so zerrissen hat. Was macht Karen Duve bitte mit ihrem Leser? „Warum die Sache schiefgeht“ tanzt zwischen völligem Blödsinn und genialen Einfällen. Das kann man wohl auch sehr gut an den Kritiken für das Buch sehen. Entweder gibt es volle Punktzahl oder überhaupt keine Punkte. Schwierig.

An Frau Duve´s Schreibstil liegt es jedenfalls nicht. Sie schreibt wahnsinnig süffisant und mit ordentlich Witz. Es ist eine wahre Wohltat dieses Essay zu lesen im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Artikeln vom Studium, die meine momentane Lesekost prägen. Das Buch vermag sehr gut zu unterhalten. Wäre der Inhalt nicht so traurig, dann würde ich es kurzweilig nennen.

Karen Duve

Andererseits polemisiert Karen Duve sehr stark in ihrem Essay. Sie kritisiert ohne Ende, reduziert dafür auch gern mal die Komplexität mancher Sachverhalten. Ich denke, manchmal macht sie sich ihre Wirklichkeit zu einfach und auch zu einseitig. Persönlich würde ich mich eher in die Ecke „grüner Spinner“ als „geldgeiler Machtbessener“ einreihen. Dennoch habe ich mit manchen Aussagen in dem Buch ein Problem.

Wenn die Konsumgesellschaft einmal weniger Geld ausgab als im Jahr davor, wurde das als unverzeihliches Fehlverhalten gewertet, welches das ganze tolle System und unseren Wohlstand gefährdete. Schleuderte die Gesellschaft ordentlich Geld raus, fand das lobende Erwähnung in den Abendnachrichten. – S. 164

Natürlich ist es ein elender Krebs, der manche Banken und große Konzere dort befallen hat, aber andererseits ist das doch nicht die ganze Welt. Also ich hoffe zumindest, dass große Unternehmen nicht das Wichtigste darstellen. Eigentlich sind wir da auch ziemlich schnell bei Verschwörungstheorien, einige wenige Menschen lenken das Geschick der ganzen Welt in einem geheimen Zirkel. Hm. Schwierig.

Ich würde es auch nicht so darstellen, dass mehr Frauen in Führungspositionen der Weiheit letzter Schluss ist. Es kommt eben auch sehr auf den Menschen an. Sind Frauen wirklich die besseren Menschen? Ich weiß es nicht, ich könnte noch nicht einmal die Kriterien bestimmen, woran man eine Entscheidung festmachen will. Karen Duve kann das anscheinend schon. Und damit zieht sie natürlich viel Kritik auf sich.

Das menschliche Gehirn sei eben nicht dafür ausgelegt, eine langfristige, noch nie da gewesene Katastrophe zu begreifen. Zudem nähre unser weiterhin komfortabler Lebensstil die Illusion, es sei doch eigentlich gar nichts los. – S. 7

Niemals würde ich soweit gehen und das Buch verteufeln. Es ist zu wichtig. Selbstverständlich muss man sich mit den Werten einer Gesellschaft auseinandersetzen und auch mit den Schwächen, die dadurch entstehen. Man muss kritisch hinterfragen. Es ist eine Pflicht! Allerdings schießt Karen Duve etwas über das Ziel hinaus – durch zu viel Sarkasmus und Polemik wirkt sie unsachlich. Und schießt sich damit selbst ins Knie, denn eigentlich, sollen doch Menschen angehalten werden zum Nachdenken. Aber wer will noch ernsthaft nachdenken, wenn er sich über Aussagen der Autorin ärgert? Ein bisschen weniger Furie wäre besser gewesen für die Sache.

Fazit

Lest „Warum die Sache schiefgeht“, ärgert euch nicht über Karen Duve´s Wut, sondern macht euch Gedanken, wie die Welt eine bessere werden könnte.

Bei der FAZ gibt es noch eine weitere Rezension.

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