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Tolkien und der Erste Weltkrieg

Tolkien und der Erste Weltkrieg John Garth

Der Hobbit huscht mal wieder durch die Kinos, in den Buchhandlungen stapeln sich seit 3 Jahren die Werke Tolkien – mal wieder. War ja erst so vor über 10 Jahren, als der Herr der Ringe als Trilogie verfilmt wurde. Tolkien. Tolkien. Tolkien. Ich hoffe ihr leidet noch nicht an Verdruss. Im März 2014 erschien, ich möchte fast sagen heimlich, eine Biografie J.R.R. Tolkiens.

Dieses Buch – „Tolkien und der Erste Weltkrieg“ beschäftigt sich, wer hätte das gemutmaßt, mit dem Erlebnissen Tolkiens im Ersten Weltkrieg. Es geht dabei aber noch ein Stück weiter – immer wieder wird auch der Bezug zum Schreiben beziehungsweise zur Mythologie Tolkiens gesucht. Verkürzt könnte man sagen, es geht um den Einfluss des Ersten Weltkriegs auf Tolkiens Werke. Das wäre aber zu kurz gegriffen und würde das Buch beleidigen.

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John Garth – Der Autor

John Garth  ist Wissenschaftler, Journalist und Schriftsteller. Er studierte Englische Sprache und Literatur am St.Anne´s College in Oxford. Momentan lebt er mit seiner Frau auch in Oxford.Er schrieb bisher 13 Jahre für den Evening Standard in London und arbeitet seit 6 Jahren als freier Journalist.

Etwa um 2002 schrieb er das Buch „Tolkien und der Erste Weltkrieg“. Ich finde, sein Interesse an Tolkien ist wenig verwunderlich. Welcher angehende Schriftsteller möchte sich nicht mit diesem brillianten Autor auseinandersetzen. Noch dazu hat auch Tolkien etliche Jahre in Oxford verbracht.

Der Inhalt

Diese Biografie Tolkiens beschäftigt sich auf einen klar eingegrenzten Lebensabschnitt Tolkiens: Seine Jugendzeit und die Anfänge als Schriftsteller. Das Buch spannt den Bogen von der Schul- und Collegezeit Tolkiens über den Ersten Weltkrieg bis hin zu kurz nach dem Krieg.

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Meine Meinung

„Tolkien und der Erste Weltkrieg“ ist ein erstaunliches Buch. Man merkt auf jeder Seite die Akribie, mit der John Garth sein Buch verfasst hat. Ich bin ziemlich froh, dass ich die Veröffentlichung des Buchs doch noch mitbekommen habe. Eigentlich hat der Klett-Cotta-Verlag bereits im März das Buch herausgebracht. Aber irgendwie scheint das gänzlich an mir und auch an den Feuilletons vorbei gegangen zu sein. Zum ersten Mal wurde ich durch einen Artikel in der Zeit auf das Buch aufmerksam.

Die russische Revolution, die innerhalb eines Jahres ausbrach, mündete in die erste totalitäre Diktatur; ihr erklärtes Ziel war es, den individuellen Willen in den Dienst der Wirtschaft und der Macht der Bolschewiki zu stellen. Lenin wurde damit zum Muster für Hitler, Stalin, Mao und die anderen politischen Monster des zwanzigsten Jahrhunderts. Doch die totalitären Diktaturen führten die Entmenschlichung, die in der Schwerindustrie ohnehin bereits zu beobachten war, lediglich zu einem logischen Extrem und nutzen den Bruch aus, den der Erste Weltkrieg mit der Vergangenheit herbeigeführt hatte. – S. 318

Die Biografie ist auf zwei verschiedene Arten für mich faszinierend. Zum einen ist da J.R.R. Tolkien als junger Autor, der gerade dabei ist seine eigene Stimme zu finden und sich auch sehr mit seinen Idealen und den seiner Freunde auseinandersetzt. Liest man aber noch ein Stück weiter, lernt man Tolkien als jungen Mann kennen, der in den Ersten Weltkrieg ziehen muss. Und damit einher gehen eben auch Schilderungen dieses sinnlosen Kriegselends einher. Soldaten (und damit auch Freunde Tolkiens) werden grundlos aufgerieben in den Kämpfen um Schützengräben. Es ist eine grausame Welt und es ist sehr erschütternd.

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Autoren wie Graves, Sassoon und Owen sahen den Großen Krieg als Krankheit an, Tolkien verstand
ihn nur als Symptom. – S. 419

Keinesfalls verwunderlich ist, dass die Erlebnisse und Erfahrungen im Ersten Weltkrieg Tolkiens Schreiben beeinflussten. So etwas kann man doch nicht ablegen – den Verlust engster Freunde, die eigene nackte Angst ums Überleben und die Hoffnung auf ein Ende des Schreckens. Tolkien ist ein kluger Mann und pflegt eine Leidenschaft, die ihn zu höchsten schriftstellerischen Leistungen beflügelt. Seit frühster Kindheit setzt er sich mit Sprache auseinander, entwickelt selbst Sprachen. Sein ganzes Leben lang arbeitet er an Quenya, Elbisch. Er schafft ein eigenes Lexikon mit eigener Mythologie zur Sprache. Wobei man nicht auseinanderhalten kann, was zu erst da war – Sprache oder Legende. Vor dem Krieg schreibt er erste Gedichte mit Wörtern aus dem Quenya. Sehr fasziniert hat mich das Gedicht von Earendil dem Seefahrer. Genrell ist es sehr spannend im Fließtext mit den Schilderungen aus Tolkiens Leben immer auch den Bezug zu Texten und Gedichten von Tolkien zu finden.

Wenn Éarendel überhaupt etwas Heldenhaftes hat, dann ist es das Heldentum des eigensinnigen Individuums, das den Urgewalten trotzt  – wie etwa Sir Ernest Shackleton, der in diesem Sommer mit einem Segelschiff aufgebrochen war, um den antarktischen Kontinent zu überqueren. –S. 77

Im Nachwort habe ich allerdings auf mehr Bezüge zum Hobbit oder Herrn der Ringe mir erhofft. Sie wurden auch erwähnt, aber zugunsten älterer Werke Tolkiens vernachlässigt. Wahrscheinlich war der Autor sich da auch selbst zu unsicher. Immerhin erschienen diese beiden berühmten Werke erst mit einigem Abstand zum Ersten Weltkrieg. Sozusagen wollte sich John Garth sicher ersparen, sich auf zu dünnes Eis zu wagen. Obwohl für das breite Publikum sicher gerade diese Deutung am interessantesten erweisen würde.

Tolkien grenzte sich bewusst von den Darstellungen anderer Autoren über den Ersten Weltkrieg ab. Er bediente sich des Mystischen und damit konnte er Dinge zeigen, die realistische Werke niemals darstellen könnten. Sozusagen kann man durch das Fantastische die Wirklichkeit besser abbilden. Tolkiens Thema war der ewige Krieg zwischen Gut und Böse. Und damit trifft er bei vielen Lesern genau ins Schwarze.

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Fazit

„Tolkien und der Erste Weltkrieg“ von John Garth ist ein Muss für jeden Tolkien Fan und auch überaus interessant für angehende Schriftsteller.

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