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Krank an der Vielzahl von Möglichkeiten

Krank an der Vielzahl von Möglichkeiten

In den vergangenen Monaten hab ich mich sehr geplagt mit mir selbst. Es geht um nichts Geringeres als die Zukunft. Was macht man mit ihr, wenn man gefühlt noch eine Unendlichkeit Zeit hat? Womit füllt man sein Leben? Womöglich klingen diese Fragen jetzt etwas hochtrabend, nichtsdestotrotz sind sie wichtig. Natürlich kann man diese Fragen mit seinen höchsten Idealen und Werten beantworten – man will Gutes im Leben tun. Aber das bringt mich in meiner Sache nicht sehr viel weiter.

Mir persönlich geht es um die Schwerpunktwahl meines Studiums. An der Universität gibt es 7 verschiedene Wege zum vermeintlichen Glück. Für mich kommen davon 2 infrage. Also immer noch genügend Auswahl, um eine Entscheidung treffen zu müssen und nicht zu können.

Wenig tröstend ist, dass es nicht nur mir so geht. Jeder junge und ältere Mensch hat es wohl schwer mit den Entscheidungen. Es gibt einfach zu viele Möglichkeiten und diese wiederum halten auch gleich nochmal verschiedene Szenarien griffbereit. Wie soll ein Menschenhirn da bitte abschätzen können, was gut und richtig für es ist? Überhaupt nicht. Das ist die Antwort. Wir können es nicht.

Es gibt 10 verschiedene Wege und welchen nehmen wir? Zunächst nehmen wir erstmal überhaupt keinen. Überforderung. Information-Overload. Ähnlich ist es doch im Supermarkt: Wir hätten schon Appetit auf Schokolade, aber dann stehen wir vor dem Regal und sehen 100 verschiedene Sorten. Am Ende gehen wir ohne Schokolade aus dem Laden, weil die Entscheidung zu anstrengend wird. Daran krankt auch irgendwie meine ganze Generation, die schiere Überzahl an Möglichkeiten beraubt uns unserer Freiheit. Wir werden zu Sklaven der Angst, die falsche Wahl zu treffen und so etwas Unfassbar-phänomenal-gutes in unserem Leben zu verpassen. Wir sollen und dürfen doch nichts Wichtiges verpassen! Deshalb möchte ich mich manchmal auch gern zerteilen. Das ist falsch.

Sehen wir uns Entscheidungen an, die wir treffen müssen, dann können wir uns doch auch erstmal nicht entscheiden. Es wird gewartet bis kurz vor knapp, vielleicht denken wir manchmal noch über unsere Optionen nach, aber am Ende siegt dann doch die Idee, die aus heiterem Himmel in das Gehirn geschossen kam. Mit Abwägen und klugem Handeln hat das vermeintlich nichts zu tun. Dieser kleine Blitz, der sich da meldet in uns, nennt sich Bauchgefühl. Intuition. Und weiß am besten Bescheid. Am Ende gibt es also doch einen Weg für uns und eben 9 Pfade für andere. Ob dies nun die bestmögliche Wahl war, wir werden es nie erfahren im Leben. Und das ist gut und auch richtig.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I—
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.
 ~ Robert Frost

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  1. Ja, die Qual der Wahl. Bei der Wahl einer beruflichen Ausrichtung werden häufig drei Kriterien genannt, die erfüllt sein sollten:

    1. Begeisterung: Handelt es sich um eine Tätigkeit, das Dich langfristig mit Freude erfüllt, die Dir wirklich etwas bedeutet?
    2. Sinn: Handelt es sich um eine Tätigkeit, mit der Du einen Beitrag zu einem besseren Leben anderer leistest?
    3. Moneten: Kannst Du damit Deine Rechnungen bezahlen bzw. Dich langfristig finanziell absichern?

    Wenn eines dieser Kriterien nicht erfüllt ist, sollte man vielleicht nochmals über Alternativen nachdenken…wenn zwei Alternativen alle Kriterien erfüllen, dann sind nach gegenwärtigem Stand eben beide Entscheidungen gleich gut.

    Was meinst Du zu dieser Roadmap der Entscheidung?

  2. Hey Janine 🙂

    Ein paar sehr ernste und wichtige Gedanken, die du hier zu Papier gebracht hast. Das Leben besteht aus lauter Entscheidungen und das fängt doch mittlerweile im Kindergarten schon an, wenn die Kleinen entscheiden sollen ob sie malen oder lieber mit Puppen spielen möchten. Wir werden zunehmend in diesen Zwang gedrückt, irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Bereits in der 4. Klasse müssen wir wissen, ob wir mal studieren wollen um den richtigen Bildungsweg zu wählen etc.

    Mir ging es auch schon oft so, dass mir Entscheidungen fast meinen letzten Nerv raubten … und doch haben sie etwas Gutes: aus jeder Entscheidung können wir lernen. War es ein Fehler, machen wir es beim nächsten Mal anders. War es eine gute Entscheidung, sind wir glücklich. Ich habe nicht viele ernsthafte Überzeugungen, aber von einer Sache bin ich voll und ganz überzeugt: Alles was uns im Leben widerfährt ist für irgendetwas gut und hat einen tieferen Sinn. Manchmal bringt uns erst ein Fehler dahin, wo wir schon immer sein wollten. Also warte nicht zu lang mit deiner Entscheidung, denn egal welche du triffst – sie wird dich weiter bringen!

    Eine schöne Anregung zum Nachdenken. Danke dafür 🙂

    Liebste Grüße,
    Diana
    Lilienlicht =(^-^)=

  3. Lieber Nicolas,

    danke für deinen Kommentar. Deine Roadmap zur beruflichen Entscheidung finde ich sehr gut.
    Intuitiv bin ich ganz ähnlich vorgegangen, mein Problem war nur, dass beide Alternativen allen 3 Kriterien entsprechen und ich mich doch trotzdem für einen Schwerpunkt entscheiden muss.
    Aber nun bin ich sehr zufrieden mit mir selbst nachdem ich mich für das entschieden habe, was sich irgendwie “richtiger” anfühlt. Eigentlich bemerkt man doch, ob man sich richtig entschieden hat, wenn man nach der Entscheidung auch dabei bleiben kann oder ob es dennoch so ein bisschen Bauchgrimmen gibt. Denn dann ist wohl das andere besser um alle Anspannungen aus dem Weg zu schaffen. Jedenfalls lief das bei mir so. Entscheidungen sind schon etwas Faszinierendes.

    Liebe Grüße
    Janine

  4. Liebe Diana,

    ich bin ganz deiner Meinung! Alles ist im Leben irgendwie für irgendwas gut. Jede Erfahrung, die wir machen ist nützlich. Klar, die Nützlichkeit können wir nicht messen. Aber können wir den Nutzen von einem Butterbrot oder einer Banane klar messen? Wohl kaum.

    Meine Entscheidung ist seit etwa Samstagabend endgültig gefallen, was ich nun mit mir anfangen möchte und ich habe Frieden mit mir selbst geschlossen. 😉 Alles gut. Eigentlich hatte sich das auch schon beim Schreiben dieses Artikels abgezeichnet, aber mir war es dennoch wichtig diesen Artikel zu veröffentlichen, denn dieses Problem betrifft in irgendeinander Form einfach jeden Menschen.

    Liebe Grüße
    Janine

  5. Hey Janine,

    das ist zwar der einzige Artikel, den ich von dir gelesen habe, und den ich auch ganz zufällig gefunden habe, als ich danach im Internet gesucht hab, mit was man sein Leben füllen soll.
    Ich wollte dir mitteilen, dass du mir mit deinem Artikel sehr geholfen hast!
    Danke dir.

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