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Die Romantherapie – Leiden heilen mit Büchern

Bücher helfen bei verschiedensten Problemen, Krankheiten und Malesten des Menschen. Für Vielleser ist das sicherlich keine Neuigkeit, im Gegenteil – unbewusst haben wir es immer geahnt. Unter Bibliotherapie kann man den therapeutischen Einsatz von Büchern verstehen. Therapeutischer Einsatz. Das klingt jetzt schlimmer als es ist. Wegen Liebeskummer rennt man selten gleich zum Arzt, trotzdem kann ein gutes Buch auch hier Wunder bewirken.

Ella Berthoud und Susan Elderkin sind professionelle Bibliotherapeuten und verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Empfehlung von Büchern. (Eigentlich wäre diese Profession auch für mich eine Überlegung wert. Also im Ernst – Geld verdienen mit der Empfehlung eines Buchs, ohne es selbst verkaufen zu müssen, das ist schon ein Traum.) In ihrem Buch „Die Romantherapie“ teilen die beiden ihr ganzes Wissen mit uns zu verschiedensten Beschwerden.

Das Buch erschien im Oktober 2013 als gebundene Ausgabe im Insel Verlag, seit Oktober 2014 gibt es das Buch auch als Sparfuchsvariante im Taschenbuch. Das war übrigens der Moment, wo ich im Buchladen dann doch nicht wiederstehen konnte und das Buch einfach mit musste.

Der Inhalt

„Die Romantherapie“ ist aufgebaut wie ein Lexikon. Einfach das passende Stichwort zur Beschwerde aufschlagen und anschließend kann nachgelesen werden, welches Buch Heilung verspricht. Beispiele für meine Lieblingsstichworte sind:

Außerdem gibt es noch Listen mit den besten Büchern zu verschiedensten Themen (Science-Fiction, beste Bücher, Romane zum Lachen und so weiter). Jede Lebensdekade bekommt auch ihre Empfehlungen – beispielsweise die besten Bücher für zwanzig bis dreißig Jährige. Und Frau Berthoud und Elderkin versuchen auch Tips, gegen diverse Leseleiden zu geben.

Meine Meinung

„Die Romantherapie“ ist ein Buch über Bücher und ihre Nützlichkeit bei diversen Befindlichkeiten. Im Buch werden jede Menge Bücher empfohlen und kurz besprochen. Die Spanne geht hier von Klassikern bis hin zu Büchern neueren Datums.

Sie mögen keine Veränderungen. Ihr Umfeld drängt Sie zu einer neuen Frisur, neuen Turnschuhen, einem neuen Reiseziel, aber Sie möchten am liebsten alles genauso lassen, wie es ist. Ist doch wunderbar. Wir gratulieren. Nicht fehlende Entschlusskraft ist für die Karastrophen des 20. Jahrhunderts verantwortlich. – S. 113

Ich möchte an dieser Stelle eine ausdrückliche Warnung aussprechen: Bibliophile machen sich mit diesem Buch glücklich und unglücklich zu gleich. Einerseits ist es wunderschön zu lesen, wie Bücher helfen können und es ist auch ganz toll zu erfahren, worum es denn in diesen Büchern überhaupt geht. Die Autorinnen verfassten nämlich immer auch gleich eine kleine Zusammenfassung der Geschichte. Und begründeten, warum gerade dieses Buch gegen dieses Leiden hilft. Andererseits wird es den meisten Bücherliebhabern dann so ergehen wie mir. Ich habe die interessantesten und vielversprechensten Bücher für mich aufgeschrieben. Dabei habe ich 3 Seiten eines A5 Notizbuches lediglich mit Buchtiteln und deren Autoren befüllt. Um es prägnant zu sagen – meine Wunschliste verlängerte sich um die Potenz 2 – sie wurde quadriert.

Und dann trifft uns die Verantwortung: Alltag, Job, Hypothek. Und plötzlich müssen wir feststellen, dass die Welt nicht länger ein verzauberter Ort ist, an dem alles möglich scheint, sondern ein Ort stumpfsinniger Routine. Wo, fragen wir uns, sind all die Träume geblieben? – S. 116

Auch die Auflistungen der Zehn besten Bücher zu irgendeinem beliebigen Thema haben es mir angetan. Ich habe häufig zustimmen können und aber immer auch Neues entdecken können. Die Stichworte sind sehr gut gewählt, einige Überraschungen waren dabei, die einem einfach zum Weiterlesen zwingen. „Die Romantherapie“ habe ich am Stück gelesen. Man kann das Buch sicherlich auch häppchenweise lesen oder immer konsultieren, wenn man gerade ein bestimmtes Problem hat und eine Empfehlung sucht. Gut könnte ich mir vorstellen, künftige Geburtstagsgeschenke mit der Romantherapie auszuwählen. Gerade auch, weil die Autorinnen sich manchmal bestimmten Charaktereigenschaften widmen.

Was ist nur aus uns geworden? Wir sind eine Spezies, die millionfach Stunden und Tage und Jahre hintereinander dasitzt, in einsamer Entrücktheit auf ihre Monitore starrt und sich an eine vernachlässigbare, jenseitige Wirklichkeit verliert. –S. 192

„Die Romantherapie“ lässt sich so gut lesen, weil man sich als Mensch mit seinen Problemchen und Sorgen darin wiedererkennt. Ich könnte sicher auf Anhieb bei 10 Stichworten sagen: Ja, hier könnte ich manchmal Hilfe gebrauchen. Das Buch ist nah am Menschen. Ich glaube nicht, dass es wirklich jemanden gibt, der bezweifeln könnte, dass Bücher heilsam sind. Wer fühlt sich denn nicht entspannter nach 10 Seiten eines Buchs als vorher? Oder wer kann sich denn nicht an die Gute-Nacht-Geschichten seiner Eltern erinnern, die so manchen Alptraum oder das Monster unter dem Bett vertrieben? Lest mehr Bücher und regt euch weniger über euch und eure Mitmenschen auf! Damit wäre der Menschheit schon sehr viel geholfen.

Fazit

„Die Romantherapie“ von Ella Berthoud und Susan Elderkin ist ein großartiger Ratgeber – sowohl für Bücherratten als auch für Menschen, die sich schon lange vornehmen, mehr zu lesen.