Kapri-zioes

Was tue ich hier eigentlich? von Nicolas Dierks

Die Frage „Was tue ich hier eigentlich?“ musste jeder für sich schon mindestens einmal beantworten. Manche Menschen stellen sie sich auch täglich, inbesondere, wenn der eigene Job nervt und man definitiv nur noch von Idioten umgeben ist. Oder wenn man zumindest das Gefühl hat, dass nur noch sehr wenige Dinge im Leben wirklich Sinn haben. Wenn es hart auf hart kommt, dauert es nicht mehr lange bis zur Lebenskrise oder ernsthaften psychologischen Problemen. Damit diese furchtbaren Dinge alle nicht passieren, sollte man unbedingt Nicolas Dierks Buch gelesen haben.

In „Was tue ich hier eigentlich?“ werden verschiedene Aspekte des Lebens philosphisch beleuchtet. Das heißt keinesfalls, dass es hier um eingestaubte und völlig veraltete Vorstellungen und Theorien geht. Nein! Es werden neun wirklich wichtige und auch teilweise sehr persönliche Fragen nach dem guten Leben gestellt. Denn das ist Philosophie eigentlich – der Mensch versucht schon seit Jahrtausenden die Frage nach dem für ihn „guten“ Leben zu beantworten.

Nicolas Dierks

Dieses Buch ist das erste poplärwissenschaftliche Sachbuch von Nicolas Dierks, zuvor hat er schon ein Fachbuch und mehrere Aufsätze verfasst. Das kommt nicht von ungefähr. Nicolas Dierks ist promovierter Kulturwissenschaftler und ist momentan Lehrbeauftragter an der Leuphana Universität Lüneburg.

Nicolas Dierks betreibt seit September 2014 einen eigenen Blog. In seinen Artikeln geht er philosophischen Fragen des Alltags auf den Grund.

„Was tue ich hier eigentlich?“

Das Buch setzt sich aus 9 Kapiteln zusammen. Jedes Kapitel widmet sich einer wirklich interessanten Frage und weil ich diese Fragen alle so wichtig und faszinierend finde, liste ich sie hier gern auf.

Meine Meinung

Jetzt mal Tacheles: Es ist sowas von egal, ob du jemals etwas von Philosophie gehört hast. Du brauchst keinerlei Ahnung oder Grundwissen von alten Männern mit weißen Bärten in langen Roben. Eigentlich ist es auch egal, ob du dich überhaupt für Philosophie interessierst, nach „Was tue ich hier eigentlich?“ wirst du es aber. Denn Philosophie behandelt nicht irgendwelche wirren Theorien, wie niemals jemand verstehen kann und will. Nein, Philosophie hilft dabei, wichtige Frage für sich und für sein Leben zu beantworten. Und wer jetzt behauptet, dass es ihn nicht bewegt, ob sein Leben einen Sinn hat oder was wichtig für ihn ist. Naja…  Dem kann ich sowieso nicht mehr helfen.

Es ist vielleicht eines der größten Missverständnisse hinsichtlich einer gelungenen Lebensführung, die grundlegenden Fragen des Lebens durch Effizienz und Optimierung beantworten zu wollen. – S. 40

Nicolas Dierks schafft es auf wundersame Weise immer wieder den Bogen zu schlagen zwischen Erkenntnissen berühmter Philosophen, persönlichen Erlebnissen und Gedanken, die für jedermann wichtig sind. Keine Ahnung, wie er das schafft, aber es begeistert mich. Ganz nonchalant wird in diesem Buch berichtet von Monty Phyton, Kant und der Demenzerkrankung des eigenen Großvaters. Ein philosophisches Sachbuch ist in der Regel nicht für Spannung prädestiniert. „Was tue ich hier eigentlich?“ ist aber spannend und unglaublich abwechslungsreich. Der Schreibstil ist immer verständlich und lässt sich sehr gut und flüssig lesen.

Der Weg zu einem erfüllten Leben liegt nicht in einem großen Geheimnis, sondern im nächsten Schritt. – S. 215

Nichtsdestotrotz habe ich mir gern Zeit gelassen für jedes einzelne Kapitel. Wer mich kennt, weiß, dass ich es gern auch mal mit 400 Seiten Buch an einem Tag aufnehme, und zwar ohne mit der Wimper zu zucken. Die Kapitel in Nicolas Dierks Sachbuch umfassen etwa 20 bis 30 Seiten. Ich habe aber liebendgern mir 2 bis 3 Tage Zeit zum Nachdenken über ein Kapitel genommen. Möglicherweise haben meinen knappen Ausführungen zum Inhalt schon gezeigt, um welche Art von Fragen es hier geht. Jedes Kapitel hat enorme persönliche Relevanz und manchmal auch Brisanz. Durch das Buch konnte ich meine Sicht auf manche Bereiche des Lebens etwas revidieren. Die Lektüre war für mich sowohl Genuss als auch Lehrstunde in Sachen eigenen Denkens und Einstellung zum Leben. Ich kann also ganz stolz behaupten, dass „Was tue ich hier eigentlich?“ mich ein bisschen verändert hat.

Wer sich jetzt etwas näher für dieses tolle Sachbuch interessiert, den kann ich nur empfehlen, einen kleinen Blick in die dazugehörige Leserunde auf Lovelybooks zu werfen. Es ist schön zu lesen, welche Gedanken sich andere Leser zum Buch machen. Aber am besten lest ihr selbst das Buch und diskutiert dann noch etwas bei der Leserunde mit. Nicolas Dierks kommentiert übrigens fleißig mit auf Lovelybooks.

Fazit

Philosophie zum Anfassen und aus dem Alltag gegriffen! Tolles Sachbuch.